Dinge, die einem auch keiner sagt…

…wenn man Consultant wird:

– dass man ein Vermögen für Kontaktlinsen raushaut, weil man die Monatslinsen nach zwei Wochen wegschmeissen kann, weil man ständig in klimatisierten Büros sitzt, die alle Schleimhäute austrocknen

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Camden und so.

Ausserdem war meine Mutter hier, als erste Besucherin, seit wir nach London gezogen sind.

Wir waren ein bisschen in Westminster unterwegs, weil Big Ben und Houses of Parliament und Buckingham Palace ja doch irgendwie müssen, aber viel interessanter fand ich eigentlich Camden, weil ich dort bisher nur einmal abends zu einem Dinner war, aber wusste, dass Camden Markets als „Fixstern“ im Londoner Touristenrummel gilt.

Also Camden Markets – früh, um den wochenendlichen hunderttausenden Besuchern zu entgehen.

Insgesamt ist es ungefähr so authentisch und „toll“ wie der Grosse Bazaar in Istanbul, aber naja, immerhin weiss ich das jetzt. Und eine Kollegin erwähnte kürzlich, dass der „richtige“ Weg, Camden Markets zu besuchen, so aussieht, dass man am Nachmittag irgendwann dort die Foodstalls durchstreift, Essen kauft, und dann auf den nahegelegenen Primrose Hill stiefelt, um dort Essen und Aussicht zu geniessen. Das dann also beim nächsten Mal.

(Beim nächsten Mal weiss ich dann auch, dass am Summer Bank Holiday Weekend traditionell der Notting Hill Carnival ist, der jedes Jahr 2 Mio Besucher anzieht – das ruinierte nämlich meinen Plan, nach Kensington zu fahren. Ich habe jeden Morgen fucking 2 Mio Menschen in der Tube, ich brauche das nun wahrlich nicht noch am Wochenende, wenn die alle laut und betrunken sind.)

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Museumsstadt.

Ich war in den letzten Wochen tatsächlich sehr viel im Museum, ohne darüber zu bloggen.

Un-er-hört!

Zum Beispiel zum ersten Mal seit der Eröffnung des Neubaus wieder in der Tate Modern, um Georgia O’Keeffe zu sehen, bzw ihre Werke. 

Ich habe ihre Bilder, eher unbewusst, 2001 wahrgenommen, als ich in Missouri war. Sie ist die Grande Dame des amerikanischen Modernismus, ihre Blumenbilder sind im Mittleren Westen so sehr ein konstanter Referenzpunkt wie Goethe im deutschen Bildungsbürgertum.
Dabei sind die Blumenbilder eigentlich die uninteressantesten, viel schöner (ein Wort, das man auch nur selten im Kontext moderner Kunst benutzt) finde ich die komplett abstrakten Werke und ihre Landschaften in New Mexico.

Die Ausstellung wurde mir leider ein wenig verleidet, weil mich kurz vor Schluss jemand anblaffte, dass Fotos machen nicht erlaubt sei…gleichzeitig hingen aber überall Hinweise auf „Twittern Sie, wie toll Sie die Ausstellung finden!“ Das hat mich genervt, sodass ich weder Lust hatte, mir den Anbau und die erweiterte ständige Ausstellung anzuschauen, noch Geld im Museumsshop auszugeben.
Ein bisschen vorher war ich im White Cube Bermondsey – das könnte eigentlich mein Haus-Museum sein, weil es wirklich fünf Minuten von uns weg ist. Trotzdem war ich noch nie drin, und hätte der Freund mich nicht von Ferne getriezt, sodass ich eine Stunde vor Schliessung doch noch meinen Hintern rausbewegt habe.

Das ist ein Museum, das ganz seinem Namen entspricht – White Cube. Es ist sehr weiss, sehr leer, sehr modern, aber dank einer grossartigen Ausstellung von einem indisch(?)-stämmigen Künstler aus London, in den ich mich umgehend verliebt habe (also, in seine Werke), war das dann nur ein bisschen intimidating. 

(Wer würde sich nicht in wunderschön gemalte, bunte, glänzende Riesenbilder verlieben, die ganz deutlich klassische hinduistische Mythologie referenzieren, sich aber beim näheren Hinsehen als von Zombies und fleischbehangenen Skeletten bevölkert entpuppen?)

Und dann war da noch die Summer Exhibition der Royal Academy of Art, die schon ewig meinem Kalender rumdümpelte.

Als einzige Idee dazu fällt mir der Begriff „Pariser Salon“ ein – dicht gehängt, alle Werke käuflich, erschlagend in der Menge und der Dichte und der Tiefe.

Leider gab es keinen Katalog, in dem jedes Werk mit Foto aufgeführt wurde, und ich war kurz versucht, jedes einzeln zu fotografieren und mir diesen Katalog eben selber zu machen, aber das hätte dann doch zuviel Zeit gekostet.

Dafür weiss ich jetzt aber, dass die Summer Exhibition von jetzt ein Fixpunkt im Kalender ist.

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Canary Wharf.

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Natural History Museum.

Leider war die Schlange vor dem Eingang so lang, dass wir keine Lust hatten, uns anzustellen.

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Eroberungsplan.

Ich bin im Vergleich zu „Umziehen in die Schweiz? Och naja, wird schon gehen!“ hier viel strategischer unterwegs.

Unter anderem, weil ich in der Schweiz gemerkt habe, dass es mir Spass macht, mich einer neuen Heimat akademisch-beobachtend zu nähern.

Also habe ich (Sie erinnern sich vielleicht?) Bücher über Grossbritannien und London gelesen (und lese immer noch), und ich nutze bewusst das Kulturangebot der Stadt.

Im Moment spiele ich mit dem Gedanken, alle 33 Boroughs of London (naja, 32 und die City) zu besuchen – mit dem Fahrrad hin, einen halben Tag dort rumlaufen, vielleicht ein, zwei Buchläden besuchen, falls vorhanden, ein Museum. Einfach, um die Stadt in ihrer grandiosen Ganzheit zu erfassen, oder es zumindest zu versuchen.

Ob ich es schaffe, weiss ich noch nicht, aber es wäre lustig. Und es würde mit Sicherheit einen konstanten Strom an Blogposts generieren.

Und dann ist da ja noch der Rest des (noch) Vereinigten Königreichs – ich war noch nie in Schottland oder Wales, von Nordirland (und Irland) ganz zu schweigen. Vielleicht sollte ich es so splitten: im ersten Jahr lerne ich London kennen, und im zweiten Jahr unternehme ich dann mehr im Rest der Insel.

Das erleichtert auch ein bisschen die Lektüreauswahl – so kann ich noch ein bisschen London-Bücher lesen, bevor ich britische Geschichte, Politik, Gesellschaft angehe. Zumal ich unvermeidlich irgendwann im Rahmen dieses London-Erlebens den Nordirland-Konflikt erreichen werde, der dann einen perfekten Einstiegspunkt in die grössere Betrachtung liefert.

Verkopft. Verkopft ist das Wort, was Sie suchen.

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It should be love.

Ich habe zweimal in meinem Leben jemanden getroffen, mit dem alles stimmte. Alles war grossartig, wir hätten Hand in Hand über eine Blumenwiese hüpfen sollen… Nur verlieben konnte ich mich nicht. Es reichte nicht, unbestimmter Natur – und ich habe mir manchmal so sehr gewünscht, dass ich mich hätte verlieben können.
So ungefähr geht es mir mit Monocle Magazine – alles passt. Sie berichten über alle Themen, die ich grossartig und interessant finde: Diplomatie, Politik, Design, Urbanism, Reisen, Flugzeuge, Medien, Kunst, kluge Bücher; es ist sehr gut geschrieben und bringt die richtige Menge an genau richtig kühl/künstlerischen Fotos. Sie mögen sogar die gleichen Sportarten wie ich! Das Heft ist toll gemacht, hat das richtige Format für einen kleinformatigen Menschen wie mich…und trotzdem. Ich kann mich nicht verlieben.

(Im Gegensatz übrigens zu Monocle Radio – knapp die Hälfte meiner Lieblingspodcasts ist von Monocle, und ich liebe den leicht englischen Politikhumor, der vor allem in ihren täglichen Sendungen zum Ausdruck kommt.)

Ich weiss nicht, was es ist, es ist ein undefinierbares Gefühl von „ich will ja, aber…“, und vielleicht muss ich einsehen, dass „es liegt nicht an dir, wirklich nicht“ manchmal tatsächlich stimmt.

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