Vom Knutschen auf Parkplätzen

Gestern Abend mal wieder ein Date. Nennen wir ihn „der Bruder“. Die Kurzfassung: Abendessen, was trinken, Sommergewitter, Knutschen auf dem Parkplatz.

Zwei Dinge waren interessant – zuerst die Selbstreflexion.

Ich habe ja nun diverse erste Dates hinter mir, gute, mässige, schlimme. Und ich habe viel gelogen bei diesen Dates. Das eine ist, dass man sich natürlich immer in etwas besserem Licht darstellt – das andere ist, dass ich rundheraus gelogen habe. Darüber, was ich mir von diesem Date erwartet habe, oder wie ich generell zu Beziehungen stehe; darüber, wer ich bin, was ich denke, was ich ggf. mitbringe. Bei den letzten zwei, drei Dates – zumindest bei denen, bei denen ich nicht von Anfang an dachte, dass es eh unnütz und doof ist – habe ich versucht, ehrlicher zu sein. Und erstaunlicherweise (! – ja, jedem anderem ausser mir ist das auch schon klar gewesen)  ist das viel besser für alle Beteiligten. (Natürlich musste ich mir dafür erst mal klar werden, was ich eigentlich will, aber da bin ich ja inzwischen auch schon weiter. Dazu ein andermal mehr.)

Dieses Mal jedenfalls habe ich ziemlich direkt gesagt, dass ich schon ziemlich viel Quatsch gemacht habe, aber dass ich eben auf diesen Affären-Bullshit, das ewige Non-Commitment und die „bloss keine Verantwortung“-Geschichten keine Lust mehr habe. Mal sehen, was er nun daraus macht, aber immerhin hab ich es gesagt, und wenn er das anders sieht, wird es kein zweites Date mehr geben. Auch okay. Besser jedenfalls, als wenn ich so tue, als wäre ich total easy und gechillt und nur auf der Suche nach der nächsten Affäre, um mich dann wieder zu verlieben und am Ende ein heulendes Häufchen Elend zu sein.

Und dann die zweite Erkenntnis, die schon ein bisschen schauriger war.

Wir knutschten also auf einem abgelegenen Parkplatz, und von meinen gelegentlichen Ausrutschern in Richtung „OH GOTT EIN AUTO, DER ZODIAC-KILLER WIRD UNS HOLEN“ (*ähem*)  war es sehr entspannt. Wir hätten beide gern mehr gemacht, und an einem Punkt hat er explizit folgenden Satz gesagt:

„Setz die Grenze! Sag, wie weit wir gehen.“

Bumm. Und weil ich in den letzten Monaten und Jahren viel zu oft erst auf der falschen Seite der Grenze gemerkt habe, dass wir zu weit gegangen waren, hab ich vorsichtshalber gesagt, dass ich nicht weiter gehen will als ein bisschen knutschen (vielleicht ein bisschen heftiger knutschen, aber nur knutschen, ohne übles Gefummel), auch wenn ich dann zwischendurch, im Eifer des Gefechts, nicht abgeneigt gewesen wäre, mehr zu machen.

Was mich aber (im positiven Sinne!) schockiert hat, war, dass _er_ sich dran gehalten hat. Er hat nicht versucht, weiter zu gehen – hat nicht versucht, die Grenze zu überschreiten. Das ist der erste Mann in keine-Ahnung-wie-lang, der auf mein „bis hierhin und bitte nicht weiter“ von SELBST reagiert hat. Ohne, dass ich „tschuldigung, wir hatten doch… äh, ok, dann halt nicht…“ sagen musste.

Und das ist das schaurige: Dass ich ungefähr fünf Mal während dieser anderthalb Stunden währenden Knutscherei dachte, dass ich ja jetzt eigentlich… und wäre es nicht angebracht und angemessen und höflicher, wenn ich jetzt… und dass ich eben völlig schockiert bin, dass  jemand mal nicht versucht, weiter zu gehen als abgemacht. (Ja, meine Herren, denkt mal drüber nach.)

Auf jeden Fall ist es gut, dass wir nicht weiter gegangen sind und ich meine Grenze gewahrt habe (oder: dass ich überhaupt mal eine explizit festgelegt habe), weil ich mich nun nicht wie ein kompletter Idiot fühle, der einen riesigen Fehler gemacht hat. Das war bisher das vorherrschende Gefühl nach irgendwelchen Knutsch-Fummel-Huch, na gut, dann haben wir halt Sex-Aktionen.

Ausserdem hat es irgendwie den unschuldigen Charme eines Dates mit 18 (weite Definition von unschuldig), als heftige Knutschereien eben noch nicht automatisch mit dem Verlust der Kleidung endeten, als es auch beim zweiten Treffen noch Dinge zu entdecken gab.

Gesamtwürdigung: 3.9 von 5. Sonderpunkte für Selbsterkenntnisse, Aussicht auf Steigerungsfähigkeit.

Mal sehen, ob es ein weiteres Date gibt.

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Eine Antwort zu Vom Knutschen auf Parkplätzen

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