Bleichgesicht

Das Dossierthema der aktuellen Brandeins ist „Nichtstun“ – eines der besseren Themen der letzten Zeit (die davor habe ich mässig interessiert durchgeblättert und höchstens jeden dritten Artikel gelesen).
Diesmal hats auch eine Artikel“reihe“ mit vier Artikeln, die Nichtstun aus der Sicht anderer Länder/ Kulturen behandeln. Brasilien, China, USA, Russland. Grundsätzlich ne gute Sache. Wenn da nicht der Artikel über Brasilien wäre, nach dessen Lektüre ich erst mal schlucken musste. Ich bin nun wirklich nicht für mein zartes Gemüt oder das Beharren auf political correctness bekannt, aber ich habe selten einen derart unverhohlen rassistischen Artikel in einer nicht-einschlägigen Zeitschrift gelesen… und dann noch die Brandeins. Mein bisher leuchtendes Beispiel für deutschen Journalismus.
Da gibts zwar auch noch nen Leserbrief (oder eher Lesermail) an die Redaktion, aber das ist gar nicht das, worüber ich schreiben wollte… vielmehr:
Schon mal aufgefallen, dass es offensichtlich gesellschaftlich völlig akzeptiert ist, weisse/westliche Völker und Kulturen zu dissen? Stereotypen über Österreicher, Kanadier, Amerikaner (weisse!), Deutsche, Schweizer, Finnen und Engländer (weisse) werden irgendwo zwischen drollig, lustig und herablassend wahrgenommen. Und im besten Fall auch nur als Stereotype, nicht jedoch als Rassismus.
„Schweizer sind ein bisschen langsam, sprechen komisch und leben in Bergdörfern und bedienen im Winter den Skilift.“ Jaja, hihi, stimmt ja irgendwie, oder nicht?!
„Afrikaner sind ein bisschen langsam, sprechen eine komische Sprache, leben in Urwalddörfern…“ Do I need to go on?
Und die Witze, die über die Hautfarbe von Briten gemacht werden, würden jeden Menschen dunkleren Hauttyps ziemlich ankotzen…
(Der durchaus interessante Grenzfall der Franzosen wäre mal eine Investigation wert… aber ich bin ja nun mal kein Ethnologe. Und die Ausnahme von Juden und Israelis bedarf dagegen keiner Untersuchung, die ist hinreichend bekannt und immer wieder ausgetestet worden, obs einen immer noch die Karriere kosten kann, wenn man sich im Sprachgebrauch verirrt. Aus gutem Grund übrigens.)

Tägliche Medien/Gesellschaftskritik für heute erledigt. Thanks for listening.

Disclaimer: Ich will damit in keinem Fall sagen, dass Rassismus gegen die bekannten Rassismus-Opfer deswegen okay sei. Grundsätzlich ist jede Form von Rassismus das Hinterletzte.

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