Ad weniam, Tag 2

Für die Wiener Clubszene hat es letzte Nacht nicht mehr gereicht, nach 10 Stunden Stadtbesichtigung brauchte ich meine 10 Stunden Schlaf. Aber ist okay so, ich hätte wohl eh nur Dummheiten gemacht.
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Und nun erfülle ich mir einen Kindheitstraum – die Spanische Hofreitschule.
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Das Pferde-Mädchen in mir, das sich noch bei jeder ausgefallenen Wimper ein Pony wünscht, hat sich gerade in einen der Bereiter der Hofreitschule verliebt.
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Woher es kommt, dass Wien einen „morbiden“ Charme haben soll, erschliesst sich mit nicht. Aber vielleicht ist es auch ohnehin unmöglich, eine Stadt im Hochsommer, bei strahlendem Sonnenschein morbide zu finden; oder überhaupt: eine Stadt im Hochsommer nicht schön zu finden.
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Nach den kühlen Ausstellungsräumen der Albertina brauche ich Sonnenschein, und so schreibe ich diesen Eintrag im Burggarten, wo ich eine Krähe dabei beobachte, dass er einen halb gegessenen, fortgeworfenen Apfelkitschen aus dem Baum zerrt und frisst. (Meine Seele ist eine Krähe.) Ein paar mehr Krähen tauchen auf. Ich bewerfe eine davon mit einer Weintraube.
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„Du bist hübsch“ raunt er mir im Vorbeigehen zu. Vielleicht denkt er, dass ich kein Deutsch verstehe, oder es ist ihm egal, und überhaupt ist er von dieser schmierigen Sorte Mann, der ich stets misstrauisch ausweiche, als wären halblange zurückgegelte Haare und halboffenes Hemd mit Goldkettchen ein international anerkanntes Zeichen für potentielle Vergewaltiger.
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Die unschlagbare Idee, bei 33 Grad Aussentemperatur in ein Tropenhaus zu gehen. (Andererseits kommt es mir danach draussen angenehm kühl vor.)
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Prunksaal der Nationalbibliothek.
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Wohl dem, der mehr als drei Tage in Wien verbringt – morgen Nacht geht es schon zurück, und weder habe ich all die anderen Museen gesehen, noch war ich in Schönbrunn. Immerhin, das werde ich morgen noch machen. Auch, um mich davor zu bewahren, 400 Euro für einen Mantel auszugeben. (Den ich nicht mal in die Schweiz schmuggeln könnte mit meiner üblichen Kleider-Schmuggel-Ausrede: „Ich habe immer so viel Kleidung mit, auch wenn ich nur drei Tage unterwegs bin…und natürlich habe ich alles getragen.“ „Einen Wintermantel. Im August. Bei 33 Grad.“ „Natürlich Herr Oberzollmeister – Sie wissen doch, wie der mitteleuropäische Sommer ist. Kaum hat man keinen Notfallwintermantel dabei, gibts schlagartig Nachtfrost.“)
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Bildung ist auch irgendwie so ein Netzwerkkonstrukt – je mehr man weiss, und je mehr Verbindungen man machen kann, umso mehr Spass macht es. Wenn man versteht, was in einer Bildunterschrift in der Albertina mit dem Verweis auf die Debussy-Version von l’apres-midi d’un faun gemeint ist, dann kann man sich schon mal ein paar Minuten lang verdammt gut fühlen.
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