Pendler.

Wenn man pendelt (und dies unter gewissen Vorgaben tut, so etwa die Nutzung eines schrecklich frühen Zugs und der ersten Klasse) kennt man die Leute, die mit einem mitpendeln, irgendwann. Nicht, dass man sich grüsst. Nicht, dass man in irgendeiner Form die Existenz des anderen anerkennt. Aber man kennt sich.
Und dann sind da die lustigen, ein wenig persönlichen Dinge, die man mitbekommt. Wenn die Frau, die stets in Oerlikon einsteigt, plötzlich einen Mann im Schlepptau hat, den sie verliebt anstarrt. (Mitten in der Woche, also bitte!) Wenn das Pärchen, das immer auf dem vordersten Vierer sitzt, mit einem Mal nicht mehr miteinander redet. Nicht, dass ich allzu begeistert gewesen wäre, dass sie ihre Wochenendplanung und die News von Sandy und Andreas morgens um viertel nach sechs diskutieren müssen. Aber das Schweigen fällt auf. Oder dass der mittelalte Mann mit dem wirklich grossartigen Haar (ich nenne ihn heimlich McDreamy) stets ein Leberwurstbrot mümmelt, und damit immer knapp hinter Spreitenbach beginnt.
Ein Teil erkennt man als SBB-Mitarbeiter, am Laptop oder am Telefon, oder daran, dass sie irgendwie nicht so recht in die erste Klasse zu passen scheinen. (Warum ich übrigens nie den früheren Zug nehme, obwohl ich gelegentlich früh genug wach bin: der „Kollege“ aus dem zweiten Stock, der dann diesen Zug nimmt und die widerlich penetranteste Art hat, die ich je erlebt habe.)
Oder es tauchen neue Gesichter auf, zumeist um Monatsbeginn herum. Manche verschwinden nach wenigen Wochen schon wieder, andere bleiben länger. Oder die Reisenden mit grossen Koffern, die von den Pendlern misstrauisch beäugt werden. Die Scheisskerle haben Urlaub!
Und dann gibt es noch den unglaublich hübschen Kerl im unglaublich gut sitzenden Anzug, der anscheinend gerade in Urlaub ist (Iran, würde ich wetten) und mir damit ein klitzekleines Highlight meines Tages nimmt. Ich hoffe, er ist nicht auf einen anderen Zug gewechselt.

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