30.

Nein, ich beschäftige mich noch nicht mit dem Verfallsdatum für Frauen… aber einer anderen Grenze, die eher für Frauen als für Männer zu gelten scheint.
Die Menge der Männer, mit denen man geschlafen hat.
Auslöser ist eine Email von einem (ich nenne ihn der Einfachheit halber mal so, die Wirklichkeit war natürlich viel komplizierter) Exfreund, der sich mit seiner Freundin gestritten hat – weil sie ihm gesagt hat, mit wie vielen Männern sie geschlafen hat. Über 30. Seine Frage an mich war, ob ich das auch zu viel finde.
Im ersten Moment musste ich schlucken – 30 schien mir auch arg viel. Ich bin sicher kein Engel, aber mit so vielen war ich nicht in der Kiste. (Ich sage doch: Nüchternheit ist eine gute Sache.)

Aber dann habe ich länger nachgedacht.

Und die Antwort ist nicht so einfach.
Zuerst einmal macht es mich wütend, dass die Aussage „Ich habe mit 30 Frauen geschlafen“ von einem Mann wesentlich weniger Stirnrunzeln hervorruft.
Weil: Was ist so schlimm daran, dass sie mit über 30 Männern geschlafen hat? Was, wenn sie genau das in dem Moment, in dem sie es gemacht hat, gewollt und gebraucht hat? Sei es, weil sie sich allein gefühlt hat, weil sie Spass haben wollte, weil sie sich begehrt fühlen wollte – was ist daran verwerflich? (Ich gehe bei all dem auf jeden Fall davon aus, dass sie das geschützt getan hat!)

Dann: Wieso war es mir in diesem Moment (und jetzt, beim Schreiben ebenfalls) so wichtig, deutlich zu machen, dass ich nicht mit so vielen Männern geschlafen habe? Anscheinend bin auch ich nicht frei von diesen Moralvorstellungen, die dem zugrunde liegen.

Nächste Frage: Was ist eine adäquate Menge dabei? Zwei, drei, zehn? In welchem Zeitraum? 30 Männer in 60 Jahren sexueller Aktivität ist nicht viel, 30 Männern in 2 Wochen wäre nur mit grösserer Eigeninitiative zu schaffen. Oder ist jeder Sex ausserhalb einer festen Beziehung für eine Frau verwerflich? Dass man als Mann heute nicht mehr erwarten kann, dass eine Frau Jungfrau ist, wenn sie älter als – sagen wir mal – 20 ist, ist ja wohl klar.
Aber was ist okay?

Und wieso muss es überhaupt ein „okay“ geben? Am Ende ist jeder Sex okay, den beide Parteien bewusst und freiwillig miteinander haben. Und wenn es der 100. Mann ist – so be it.

Aber wie gesagt, ich muss mich selbst schon ganz schön anstrengen, um diesen gesellschaftlichen Doppelstandard zu überwinden… und werde tendenziell, wenn ich jemals wieder einen Freund habe, dem gegenüber auch nicht ehrlich sagen, wieviele es denn nun genau waren.

Am Ende habe ich dem Exfreund geschrieben, er muss sie so akzeptieren, wie sie ist, oder Schluss machen. Aber dass es wichtiger ist, wie sie sich heute verhält, und dass sie ihm seit zwei Jahren treu ist. (Habe mich sehr erwachsen bei diesem Ratschlag gefühlt.)

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