Wissen, wovon man redet. Oder auch nicht.

Kollegin getroffen, die gerade für ihr Traineeship in der Fläche ist, bei einem Rangierteam. Wenn alles klappt, wird sie dieses für eine Zeitlang übernehmen. (That’s a long story short.)
Dabei fasziniert mich ihre Denkweise: „Ich will das machen, um abschätzen zu können, wie viel da noch möglich ist, an Produktivitätsgewinn und Effizienz. Es ist unvermeidbar, dass die Firma noch mehr rausholen muss, um am Markt zu bleiben, und bei jeder Massnahme, bei jeder Stellenkürzung, kommen die Argumente, dass nichts mehr möglich ist. Dass die Leute am Anschlag sind. Und wenn ich eines Tages derartige Massnahmen selber entscheiden und umsetzen muss, will ich ein Gefühl dafür haben, wie schwer es da draussen wirklich ist.“

Was ich daran so spannend finde, ist folgendes.
Zuerst einmal finde ich es bewundernswert, dass sie das macht. Mir jagt der Gedanke, so einen Job machen zu müssen, einen kalten Schauer üer den Rücken. Aber ich bin eben auch völlig unfähig, mit… nun ja… (wie formuliere ich das, ohne wie ein komplettes Arschloch rüberzukommen?) Menschen unterhalb einer gewissen Bildungsschwelle mehr als drei Sätze zu reden.
Ich bin mir auch sicher, dass sie das richtige macht. Inbesondere, wenn sie tatsächlich ihre Zukunft in dieser Branche sieht. Was sie tut.
Wo ich dann wieder den Unterschied zu mir sehe – ich finde die Branche zwar spannend, kann mir aber in hundert Jahren nicht vorstellen, das noch mehr als drei Jahre (so ungefähr) zu machen. Transport und Logistik ja, Eisenbahn nein. Die Rückwärtsgewandtheit, die Trägheit, die Beamtenmentalität sind auf Dauer unerträglich.

Ich habe sie gefragt, was ihre Einschätzung ist – geht da noch mehr?
Klare Antwort, ohne zu zögern: „Ja.“
(Das war auch meine Einschätzung, ganz ohne Flächenerfahrung. Weil ich immer davon ausgehe, dass Menschen noch mehr leisten können. Was eine kalte, brutale Annahme ist, aber bisher habe ich immer richtig gelegen. Das ist ja das, was man Beratern immer vorwirft – dass sie schicke Konzepte malen, die dann am Ende Stellen kosten und unter Umständen Familien zerstören, ohne dass sie eine Ahnung haben, was vor Ort wirklich passiert. Welcher der Berater, die und Stelleneinsparungen von mehreren hundert Mitarbeitern verargumentiert haben, war überhaupt schon mal länger als einen halben Tag draussen? Und trotzdem scheinen sie nicht ganz so falsch zu liegen.)

Und wozu jetzt das ganze Gerede darüber? Keine Ahnung, ehrlich, aber ich wollte das für mich festhalten. Diese Vorstellung, dass man das mal gemacht haben sollte, um Effizienzmassnahmen durchsetzen zu können. Und dass man das andererseits auch richtig einschätzen kann, ohne diese Erfahrung gesammelt zu haben.
(Und dass ich nun also doch eher Consultant als Teamleiter bin. Surprise, surprise!)

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