Herrenwitze.

Ich bin so etwas wie die Königin des Herrenwitzes. Es gibt fast keinen Mann, der schlimmere sexistische Anspielungen machen kann als ich selbst. Das rührt daher, dass ich mir mal geschworen habe, dass ich Männer exakt so behandle, wie sie mich behandeln.

Im Zuge einer gewissen Debatte (Stichwort: Brüderle, Hashtag #aufschrei bei Twitter) habe ich mir nun vorgenommen,

a) selbst nicht mehr sexistisch zu sein – weder gegen Männer noch gegen Frauen;

b) Menschen darauf hinzuweisen, wenn sie sexistisch sind.

Und bin nach ungefähr zwei Wochen schwer erstaunt über mich selber – wie schwer mir diese beiden Punkte fallen. Zum einen rutschen mir die Sprüche manchmal schneller raus als ich denke, und dann erst wird mir klar, dass das nicht okay ist, was ich gesagt habe… und gleichzeitig traue ich mich wenig bis nie, andere auf ihren unterschwelligen oder auch offenen Sexismus hinzuweisen.

„Das gibts doch gar nicht wirklich, das bildet ihr euch ein.“ – Wie oft ich das schon gehört habe, wenn ich einem Mann versuche zu erklären, was das Problem ist.

Leider nein.

Beispiel gefällig?

Diese Unterhaltung in der Kantine ist schon ein paar Wochen her, aber eben erst ein paar Wochen – nicht ein paar Jahrzehnte.
Ich so: „Ich fahre jedenfalls nicht mehr nachts SBahn in Zürich, weil ich keine Lust mehr auf dumme Anmachen oder Angegrabschtwerden habe.“
Er so: „Echt? Ist mir noch nie passiert…“
„Dir vielleicht nicht, aber wie siehts denn mit deiner Freundin aus?“
„Ihr auch noch nie…“
„Dann muss es wohl an mir liegen.“
„Was hattest du denn an?“
„…“
Was in diesem Moment die einzig richtige Antwort gewesen wäre: „Ab wieviel Zentimeter Rocklänge ist es denn okay, mir an den Arsch zu langen? Und ab wieviel Zentimeter Rock ist es okay, <em>deiner Freundin</em> an den Arsch zu langen?“

Da ich aber der sehr festen Überzeugung bin, dass sich die Arbeitswelt nur für alle zum Positiven verändert, wenn das Thema Sexismus (übrigens auch im restlichen Alltag) geklärt wird, mache ich weiter.

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