eine Zugfahrt, die ist lustig

Sitze im Zug und lasse mich durch die Durchsage des Zugchefs aufklären, dass der vordere Teil nur bis Köln fährt.
Auf Bahnenglisch heisst das dann… „The fun… äh… front part…“
Gnihihi.

Nächster Halt: Mannheim. Die Trostlosigkeit mitteldeutscher Städte wird wirklich nur übertroffen von der Trostlosigkeit mitteldeutscher städte bei Minusgraden und vereinzelten Schneeflocken. Ich bin ja sonst nicht für Schnee, aber hier wünsche ich ihn mir dringend herbei, um dieses entsetzliche Grau mit gnädiger Weissflauschigkeit zu bedecken.

Wir werden unsere Fahrt in Kürze fortsetzen. Das Mitteilungsbedürfnis von ICE-Zugschefs wird ja auch nur von 16jährigen Mädchen auf Speed nach einem Justin-Bieber-Konzert übertroffen.

Kann ich Ihnen was bringen? Je länger dieses „Leben“ dauert, desto intoleranter werde ich gegenüber gewissen Sorten Menschen. Karnevalisten und Menschen mit Skiausrüstung im Bahnhof sind ganz vorne mit dabei, werden aber klar und deutlich von Biertrinkern im Zug getoppt. Tagsüber. In aller Öffentlichkeit. Ich möchte aufstehen und sie anschreien, dass ich das zum Kotzen finde, armselig und abgefuckt. Ich verzichte drauf, irgendwen anzuschreien, und wende mich angewidert ab. Jaja, ich sagte ja schon, dass ich intolerant bin.

Hier spricht der Lokführer. Ich bitte Sie kurz um Ihre Aufmerksamkeit bitten. Ich möchte meine langjährige Freundin und Ihre heutige Zugbegleiterin S fragen, ob Sie mich heiraten möchte. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und eine gute Reise noch. Ich glaube, dazu muss nichts mehr gesagt werden. Aber auch wirklich gar nichts. (Sie hat dann ja gesagt. Eisenbahner-Romantik.)

Departure Time today is 19.16. Today? DB, du hast schon gecheckt, dass ein Fahrplan immer gleich sein sollte, oder? (Über die Unsitte, der deutschen Bahn, mehr wert auf ICE-Anschlüsse als auf Pünktlichkeit zu legen, referiere ich bei Gelegenheit mal. Schmetterlingseffekt und so.)

Gentleman in allen Ehren, aber die ICE-Klo-Tür aufhalten? Too much, baby, too much.

Rückfahrt. 07:27 Uhr ab Düsseldorf Hbf. Widrige Wetterverhältnisse. (Schneesturm, -2 Grad. Die Frisur hält. Drei Wetter Taft.*) Schreiende Mädchen und betrunkene Eishockey-Fans (Schockschwerenot, in meinem Kopf sage ich schon schweizerisch Iisookey dazu). Versuche, kein allzu schockiertes/angewidertes Gesicht zu machen. Im normalen Leben sind das bestimmt alles höfliche, freundliche Menschen, die einer normalen Tätigkeit nachgehen. Was bewegt sie nur dazu, anzunehmen, dass das Überstreifen eines übergrossen bunten Hemdes mit einem Clubnamen die Regeln normalen zwischenmenschlichen Lebens ausser Kraft setzen?

*Denke nun über diese alberne Drei Wetter Taft-Werbung nach. Die eigentlich erstaunlich fortschrittlich war, wenn man bedenkt, dass sie vornehmlich Ende der Achtziger, Anfang der 90er Jahre lief, und die gezeigte Dame mit der Betonfrisur um die Welt jettete und Meetings leitete. Sympathisch, eigentlich. Allerdings erinnert mich der Geruch so intensiv an meine Grossmutter (und Karneval), dass es mir schwerfällt, das auf „fortschrittlich“ umzupolen.

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