Die 50er haben angerufen, sie wollen ihr Frauenbild zurück.

Sogar einem Ausbund an Eloquenz und Wortgewandtheit wie mir* fehlen manchmal die Worte, oder sie fallen mir erst viel zu spät ein. Obwohl ich in diesem Fall geneigt bin, das Telefon in die Hand zu nehmen und 12 Stunden nach dem Gespräch jemandem zu sagen, was mir inzwischen durch den Kopf geht.
Aber um meine Mitmenschen vor verbalen Amokläufen zu schützen, gibt es ja diesen Blog. Kann ich nur hoffen, dass er es nicht liest. Oder vielleicht doch.

Also:
Es begab sich zu einer Zeit, als in Rom der Kaiser Herodes… nicht ganz. Es begab sich heute morgen. Ein Mensch in meiner Umgebung, nennen wir ihn Egonhugobertold von und zu Knappsack- in aller Kürze bleibt es im Rahmen dieser Erzählung bei Knappsack – kam nach drei Wochen aus seinem Vaterschaftsurlaub zurück. Frau von und zu Knappsack hatte ihr zweites Kind geboren, und wie es sich für den modernen Mann von heute so ziemt, nahm Knappsack seinen Jahresurlaub, um bei ihr und dem ersten Kinde zu sein.
Wie nett, mögen Sie nun denken.
Wie modern, vielleicht auch.
Hu, Kekse? denken Sie möglicherweise auch gerade, aber da kann ich nicht helfen.
Ausser das, was passierte, als Knappsack den Mund öffnete und sein schweres Schicksal beklagte:
„Ich bin so froh, wieder im Büro zu sein! Zuhause hab ich die ganze Zeit den Haushalt gemacht, und mit zwei Kindern ist das echt viel! Und das macht ja mal keinen Spass…und früher war man wenigstens noch voll der Held, wenn man als Mann mal was im Haushalt gemacht hat. Da hats gereicht, den Müll rauszubringen, und schon wurde man gelobt und es war megatoll und so. Heute…heute gehts nur noch drum, dass beide gleich viel machen und dass genau aufgeteilt wird. Das war früher halt schon geiler. Ich habe gestern Nachmittag noch sechs Maschinen Wäsche gewaschen.“
Äh. HÄ? („Kekse?“) Und es ging weiter. Ich kürze nun Knappsacks zehnminüte Ode auf den Niedergang der Wertschätzung für Männer auf die wichtigsten Punkte ab:
Früher war besser. Früher musste der Mann weniger machen und wurde mehr gelobt. Das traditionelle Rollenmodell ist zu empfehlen. Frauen sind garstig und zickig, erst recht mit Baby an der Brust. Und Knappsack ist froh, dass er jetzt wieder richtige Arbeit machen zu können.

Da fehlten mir – wie zu oft bei dem Thema – die Worte. Ich brachte noch ein knappes „Und das war gesamthaft betrachtet besser?“ zustande, aber die wirklich guten Erwiderungen kamen, genauso wie die angemessene Menge Wut, erst im Laufe des Tages.

„Da können eure Töchter aber froh sein, dass deine Frau nicht genauso denkt. Und du kannst die beiden ja so erziehen, dass sie wissen, wo ihr angemessener Platz ist – dem Manne untergeordnet. Wer hat denn den Frauen Danke gesagt, wenn sie mehr gemacht haben, als den Müll rauszubringen?“

Ringring. Die 50er haben angerufen, sie wollen ihr Frauenbild zurück!
Und das wirklich tragische: So Männer haben Frauen. Zugegebenermassen würde die menschliche Rasse wohl aussterben, wenn Frauen sich nicht mehr mit Männern paaren, die antiquierte Rollenbilder vertreten. Ischkönntkotzen. („Kekse??!!!“)

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*Ich weiss das hier gut zu verbergen, schon klar.

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