Sicherheit.

Krasse Sicherheitsvorkehrungen, Durchsuchungen an x Orten, harte Befragungen bei der Einreise, überall Soldaten… das sind ja ungefähr die klassischen Vorstellungen, die man als Mitteleuropäer von Israel hat.
Stimmt aber alles nicht.
Ja, am Eingang von Bahnhöfen, Malls und den Sehenswürdigkeiten gibt es Metalldetektoren… ich bin aber durch mindestens die Hälfte davon, ohne meine Tasche durchleuchten oder durchsuchen lassen zu müssen, und mein Schweizer Messer hat noch kein einziger Sicherheitsmensch beanstandet. Die Fragen bei der Einreise waren harmlos, und die Menge der Soldaten auf der Strasse übersteigt die in der Schweiz definitiv nicht.
Hier ein kleiner Exkurs über die Schweiz – am Anfang war ich schwer schockiert, „überall“ Soldaten mit Waffen zu sehen. In Uniform. Auf offener Strasse. Als wäre es das Normalste der Welt. Erst mit der Zeit ist mir klar geworden, dass es das für die Schweizer auch ist- in Deutschland gibt es einfach eine etwas extreme Verbannung alles Militärischen ausser Sichtweite der normalen Bevölkerung, vermutlich in Reminiszenz an die Hitlerzeit.
Und insofern fand ich die Anwesenheit von bewaffneten Soldaten schon gar nicht mehr beunruhigend.

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Irritierender – aber auch auf minimalem Level – sind die Mädchen in Uniform, viele wahnsinnig jung, aber bei genauerem Hinsehen eine irgendwie spannende Mischung aus Militär und Tussi, wenn auf der einen Schulter das Gewehr hängt, und auf der anderen die glitzernde Guccitasche.

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Ich habe mich keinen einzigen Moment bisher unsicher gefühlt (ausgenommen mal, als ich im Muslimischen Viertel der Altstadt gestern von einer Horde 12jähriger angepöbelt wurde, die sich sicher wahnsinnig geil vorkamen), und auch die Offenheit von Polizei und Militär ist erstaunlich.
Gestern habe ich zum Beispiel Ariel und Shmuel bei ihrer Mittagspause in der Altstadt kennengelernt, zwei Polizisten. Shmuel sprach kein Englisch, Ariel dagegen schon, und er sprach ganz offen über die Sicherheitssituation, dass man seit dem Mauerbau fast keine Probleme mit den Palästinensern hat, dass man natürlich vorsichtig ist und viel von den Sicherheitsvorkehrungen auch im Stillen und Verborgenen ablaufen. Dass die Touristenorte natürlich ohnehin besonders geschützt sind, und dass es in den Siedlungen auf palästinensischem Territorium natürlich auch noch mal anders aussieht. Zugegeben, ich habe auch diesmal den Mund gehalten, als er mit der grössten Selbstverständlichkeit der Welt erklärte, dass die Palästinenser halt verschwinden müssten, die könnten ja in die anderen arabischen Länder gehen… ich bin zu Besuch hier, und ich bin bisher sehr freundlich aufgenommen worden – wer bin ich, dann einen Streit über Politik vom Zaun zu brechen.
Auch wenn es mir schwer fällt, diese Sichtweise zu akzeptieren. Für die Israelis ist das anscheinend *ihre* Realität, und die Palästinenser werden nochmal eine andere haben… richtig und falsch gibt es hier eh nicht. Nur weniger falsch und mehr falsch vielleicht.

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