big data.

Ich würde ja all den Dystopisten über die schrecklichen Gefahren des Sammelns von Einkaufsdaten (zB. Payback und ähnliche Programme) glauben, wenn nicht eine der angeführten Beweise für die „Macht“ von datenbasiertem Marketing wäre, dass Unternehmen mein Einkaufsverhalten total ausschlachten können, weil sie so viel über mich wissen. Und dann würden diese Unternehmen speziell für mich gemachte Angebote erstellen oder mir Produkte anbieten, die aufgrund meines bisherigen Einkaufsverhaltens für mich geeignet sind.
Wenn dem so wäre, würde ich wahrscheinlich nicht schon seit Jahren der Mitgliedschaft in den Sammelprogrammen von Orell Füssli, Payback, Migros und Coop völlig bescheuerte Angebote zugeschickt bekommen. Ich habe ernsthaft noch nie einen Rabatt auf Produkte bekommen, die mich speziell interessieren oder die ich regelmässig kaufe, geschweige denn eine brauchbare Empfehlung für ein neues Produkt.
Einzige halbwegs brauchbare Ausnahme: Amazon. Es dürfte aber nun wirklich nicht schwierig sein, bei Interesse an einem Thema die drei oder vier meistgekauften Bücher zu diesem Thema vorzuschlagen.

Aber ganz ehrlich, auch da gilt: Wenn ich kürzlich Produkt A einer Kategorie kaufte, will ich nicht für die nächsten drei Monate Produkte der gleichen Art angeboten bekommen. Weil: Ich habe das Produkt ja schon!

Ich würde ja meine Daten mit Handkuss rausgeben, wenn dabei was sinnvolles rauskäme. Aber stattdessen bekomme ich mit schöner Regelmässigkeit Angebote für Ski und Skibekleidung (ich hasse Winter und Schnee!) oder Rasenmäher und Gasgrills mit grösserer Grundfläche als meine Wohnung (ich wohne im 6. Stock und habe noch nicht mal einen Balkon!). Und nein danke, ich möchte nicht ein Kilo Schweinsfilet besonders günstig bekommen, denn wie Sie aufgrund meiner Einkaufshistorie wissen sollten, kaufe ich Fleischersatzwurst aus industriell gefertigtem Schimmelpilz-Myzel! Glauben Sie, dass macht irgendwer freiwillig, der nicht Vegetarier ist?

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5 Antworten zu big data.

  1. m schreibt:

    Dass die gewöhnlichen Recommendation Engines im Internet nicht die absoluten Granaten sind, hast Du ja selbst recht bildlich beschrieben. (Da sind in der Tat ein paar „Denkfehler“ drin, die spätestens beim zweiten Gedanken deutliche Zweifel am Geisteszustand der Verantwortlichen auslösen.) Aber mit dem daraus resultierenden Schluss, dass die Dystopien zu belächeln wären, wäre ich vorsichtig.
    Zum einen glaube ich, dass Migros, Coop und Co. das Spiel im stationären Handel deutlich besser beherrschen als die Algorithmen im Internet das tun. Jedes Mal, wenn ich durch einen Supermarkt gehe, tue ich das mit dem dringenden Eindruck, dass hier nichts, aber auch wirklich gar nichts, dem Zufall überlassen ist. Vielleicht überschätze ich das, vielleicht aber auch nicht.
    Und zum anderen schlägt der Versuch, so etwas über eine grosse Masse von Menschen zu automatisieren, fehl – das heisst aber nicht, dass das im Einzelfall so sein muss. Die pure Existenz von präzisen Daten über eine einzelne Person birgt in sich ganz grundsätzlich eine Gefahr, der man aber üblicherweise nicht gewahr wird, weil in den seltensten Fällen jemand sich (vielleicht sogar mit „böser“ Absicht) den spezifischen Daten einer Einzelperson widmet. Aber möglich wäre es.
    Kleines Beispiel, auch wenn es dabei nicht um Einkaufsdaten, sondern andere Daten geht (die Du natürlich, weil Du nicht so dämlich wie die Testpersonen im Video bist, nicht in der Form publizieren würdest, aber der Grundgedanke bleibt davon unangetastet):

    • finjareloaded schreibt:

      Ich gebe dir Recht, dass die Freigabe persönlicher Daten durchaus heikel ist und bei Vorliegen böser Absichten, die sich gegen eine Person richten, eine Menge Schaden angerichtet werden kann.
      Aber mein Einkaufsverhalten gehört nun wahrlich nicht dazu – selbst bei bösesten Absichten wird es verdammt schwierig mit dem Wissen um meine Vorliebe von Körnerbrötchen zum Frühstück (die ich übrigens im immer gleichen Coop zur immer gleichen Uhrzeit kaufe, bevor ich in den immer gleichen Migros weitermarschiere, um das saisonal immer gleiche Sortiment an Obst zu kaufen) oder meine bevorzugte Wimperntusche Schaden anzurichten.

      Und dass Supermärkte optimiertes Marketing betreiben, ist doch okay. Auch wenn ich sogar dabei allzu oft das Gefühl habe, dass die Platzierung und Präsentation von Waren eher von zentral vorgegebenen Konzepten und lokalen Räumlichkeiten bestimmt ist (bzw. der Inkompatibilität der beiden) als von smarten Vermarktungsstrategien.

  2. m schreibt:

    Wenn ich also wissen wollte, wann ich gefahrlos in Deine Wohnung einbrechen kann, oder wann und wo ich Dich gar am besten antreffen könnte, um Dich zu entführen, dann könnte ich das anhand Deiner Einkaufsdaten recht komfortabel ableiten, oder?

    • finjareloaded schreibt:

      Oder anhand der Tatsache, dass ich einen hundsgewöhnlichen Bürojob habe, der eine Anwesenheit von 8 bis 17 Uhr erfordert…

    • finjareloaded schreibt:

      …und du wüsstest anhand meiner Einkaufsdaten auch, dass es bei mir nichts zu holen gibt ausser einer grösseren Menge Sportsocken und einem Kühlschrank voller Obst.

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