nemesis.

Zu den innenpolitischen Auseinandersetzungen darüber, wie die Schweiz auf äussere Herausforderungen reagieren soll, wird deshalb weiterhin der Streit über Geschichtsbilder gehören, wie sie das Selbstverständnis einer uneinheitlichen „Willensnation“ prägen. […] Wissen um die nationale Vergangenheit erlaubt es durchaus, im Ausland selbstbewusst aufzutreten; aber die Geschichte der Schweiz enthält auch genügend Warnungen vor Selbstüberschätzung.“ 

aus: Thomas Maissen: Geschichte der Schweiz, 2010. S. 324.

 

nemesisMeine Nemesis in Buchform.

Normalerweise lese ich ein Buch nur dann zu Ende, wenn es mich wirklich fesselt. Viele Bücher landen nach den ersten 60 oder 100 Seiten wieder im Regal bzw. in den ewigen Jagdgründen meines Kindle.

Nur dieses Buch hat mich seit ziemlich genau einem Jahr regelrecht verfolgt. Ein Jahr für 324 Seiten, und ich habe nicht mal zwischendrin neu angefangen. Das Buch liest sich unglaublich zäh, und in jedem etwa 30seitigen Kapitel bin ich grundsätzlich mindestens 7mal eingeschlafen. Monatelang lag es im Regal und strahlte mit warnendem Rot an. „Lies mich! Das bist du deiner Integration schuldig!“ schien es zu sagen.

Nun klingt das sehr verkrampft und zwanghaft, dabei geht es primär darum, die Schweiz als Land, als Nation, als politisches Gebilde und als soziales Gefüge besser zu verstehen. Im Grunde meines Herzens bin ich ja doch immer noch Politikwissenschaftlerin, und so interessiert es mich wirklich, inwiefern die historische Entwicklung die heutigen Geschehnisse beeinflusst. Dazu kommt, dass die Schweiz als Eidgenossenschaft eine besondere Form der nationalen Entwicklung durchgemacht hat, die mit keinem anderen europäischen Land zu vergleichen ist – das, was „Willensnation“ genannt wird. Eine gewollte, eine entschiedene Nation. (Und da ich ein grosser Freund rationaler Entscheidungen bin, finde ich es spannend, wie das auf nationaler Ebene funktioniert.)

Heute Morgen habe ich es endlich (!) ausgelesen. Ich bin nur leider immer noch nicht bereit für einen Einbürgerungstest, weil ich die wirklich relevanten Dinge des Schweizerseins immer noch nicht kapiert habe (Wie funktioniert Slalom-Skifahren? Warum muss man einen Berg besteigen? Wieso gibt es kein gutes Brot? Was hat Alex Frei falsch gemacht?) – auch wenn ich jetzt weiss, welche Rolle Escher gespielt hat, wie die Neutralität im Zweiten Weltkrieg funktioniert hat, wieso die Schweiz so ein Problem mit Deutschland hat, wie die Schweiz sich zwischen Frankreich, dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn verhalten hat, und welche Rolle die Religion für das Zugehörigkeitsgefühl gespielt hat.

(Und wenn ich ehrlich bin, müsste ich eigentlich gleich von vorne beginnen, weil ich die ersten sieben oder acht Kapitel schon wieder vergessen habe. Ist aber auch echt kompliziert, mit all den verschiedenen Kantonen und Stadträten und Landräten und Bauernaufständen und Westschweizer gegen Deutschschweizer, Zürich gegen Bern, aber dann manchmal doch mit Bern gegen Luzern… herrschaftszeiten!)

Aber immerhin habe ich mein Ziel erreicht, nämlich besser zu verstehen, wie das politische Gebilde „Schweiz“ durch seine Geschichte beeinflusst wird. Der Preis war allerdings hoch.

 

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