freie liebe.

ich habe zuletzt eine interessante erfahrung gemacht, die meine sicht auf beziehungen verändert hat – die aufgrund jahrelangen singleseins ohnehin schon leicht strub war.

daraus hat sich ein neues bild für mich ergeben… loyalität ist mir wichtiger als treue. das ist in dem sinne nicht unbedingt etwas neues; neu ist, dass ich von einem mann nicht mehr verlangen würde, dass er treue vortäuscht und mich anlügt, wenn er „fremdgegangen“ ist, sondern dass ich offenheit diesbezüglich für wichtig halte.

wenn man nämlich davon ausgeht, dass eine beziehung mit einem mann auf anderen komponenten als den rein körperlichen basiert (dazu später mehr, welche das sein könnten), dann könnte man auch davon ausgehen, dass rein körperliche interaktionen mit einem (oder mehreren) anderen menschen keine bedrohung für die integrität der beziehung darstellen müssen.

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auch dauerhaftere interaktionen mit mehr als einer person können durchaus okay sein, solange man dem „Primären Partner“ gegenüber loyal und offen ist.

dahinter steht letztlich die frage, ob es überhaupt möglich ist, dass ein mensch all meine bedürfnisse befriedigt… zumal: in jedem anderen lebensbereich ist es okay, dass man mehr als einen menschen hat – ich habe ja nicht nur eine freundin, nicht nur einen kollegen, sondern viele davon, mit denen ich unterschiedliche dinge mache und unterschiedliche bedürfnisse auslebe. mit der einen freundin gehe ich gerne tanzen, mit der nächsten philosophiere ich gern beim kaffee in der sonntäglichen sonne, mit einem kollegen gehe ich gerne tanzen, mit dem anderen fahre ich gern mit dem zug durch die landschaft und gucke mir gebäude an.

wieso also verlange ich ausgerechnet in diesem ohnehin schwierigen bereich, dass ein einziger mensch all meine bedürfnisse befriedigt?

und da geht es nicht zwingend um abgefahrene fetische, sondern es mag ja nunmal sein, dass der eine mann grandios im bett ist, aber nur so ein mittelguter gesprächspartner, dass der andere super zum knutschen und festhalten ist, und der dritte famos für familienbesuche.

was spricht dagegen, das so aufzubauen? diese möglichkeit auch dem anderen zu geben? klar, zuerst einmal gibt es einen moment des schreckens, wenn man das erste mal erfährt, dass der andere mit einer anderen frau im bett war- aber wieviel dieser reaktion ist antrainiert, wieviel davon durch hollywood vorgegeben? und wieviel davon ist rational sinnvoll?

dabei geht es übrigens nicht darum, dass man auf teufel komm raus alles vögelt, was des weges kommt, und es brutal darauf anlegt, ständig mit anderen menschen in die kiste zu springen, sondern darum, dass man im falle beim zusammenfallen von gelegenheit und lust nicht unbedingt nein sagen muss, oder heftigsten stress zuhause zu erwarten hat.

und zuhause ist dann der ort, an dem der mensch auf einen wartet, den man wirklich gern hat. für den man sich begeistern kann, neben dem man aufwachen will, mit dem man tagelang in einer wohnung verbringen kann (solang das internet funktioniert, wir wollen ja mal nicht übertreiben), weil man so viel zu reden hat, dass es nie langweilig wird.
das wäre dann das, was ich oben meinte: das andere, was der grundstein der Primären Beziehung sein kann. es gibt sie, diese menschen, mit denen man schlagartig eine tiefe, passende verbindung hat – bei denen man sich fühlt wie mein neffe, wenn er erkennt, dass der sternförmige bauklotz nur durch das sternförmige loch in der kiste geht.
integraler bestandteil dabei ist loyalität – für den anderen da zu sein, nicht einfach abzuhauen, den anderen nicht wortlos zu verlassen.

das ist, zugegeben, nicht gerade die konventionellste form, beziehungen zu betrachten, aber je länger je mehr sehe ich beziehungen um mich rum, die ich niemals führen wollen würde. lieber bin ich allein, als dass ich die freundin von jemandem bin, der nur aus mitleid und gewohnheit mit mir zusammen ist, oder weil die wohnung so schick ist, oder weil ich alle sexuellen wünsche von jemandem erfülle. lieber das, als dass ich drei von fünf tagen mit schwerem herzen aufwache oder einen knoten im bauch habe, wenn ich meinen freund sehe.

diese monogamie scheint in so vielen fällen nicht zu funktionieren und keinen der beteiligten glücklich zu machen – wieso dann dabei bleiben?
ich behaupte nicht, dass das der weisheit letzter schluss ist (ich bin ja auch wieder allein, obwohl die letzte konstellation im grundsatz so angelegt war – manchmal gibt es eben doch noch andere faktoren), oder dass das mit jedem menschen funktionieren muss.

aber dieses ding mit dem happily ever after ist ja auch nicht brauchbarer.

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Eine Antwort zu freie liebe.

  1. MH schreibt:

    Interessanter Ansatz jenseits starrer Konventionen.

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