gesicht geben.

das ist eine von diesen ewigen fragen, auf die ich auch nach vier jahren nachdenken keine richtige antwort gefunden habe.
vielleicht gibts auch keine.

als frau habe ich manchmal vorteile – weil ich in einem bereich tätig bin, in dem junge, nicht doofe, nicht hässliche frauen (ja, genau – benchmark ist nicht gisele bündchen, benchmark ist in meiner umwelt die hexe von hänsel und gretel) eher selten sind.
das führt dazu, dass ich manchmal chancen bekomme, die andere nicht haben – andere frauen nicht, und männer auch nicht. zum beispiel: menschen in hohen positionen erinnern sich an mich.
weil menschen in hohen positionen sehrsehrSEHR oft mittelalte, grauschläf(r)ige herren sind, die sich ab und an über ein paar schlanke beine freuen*, auch wenn der rock übers knie reicht.
und da ist nun die frage: akzeptiere ich das? nehme ich diese chancen an, weil sie sich nun mal anbieten, und weil ich damit auch zeigen kann, dass der wichtigere teil an mir nicht meine beine, sondern mein gehirn sind?
so habe ich zum beispiel jetzt eine chance vor einem hohen gremium mein thema zu vertreten, weil der big chief projektleiter findet, „dass er dem „business“ gern ein gesicht geben will, und du… ja, also, du kannst das thema gut und fachkundig vertreten.“
und ich höre die worte, die er nicht ausgesprochen hat: und du hast ein gutes gesicht. natürlich würde ich diese chance nie bekommen, wenn ich nur dumm quatschen würde, aber ich würde sie auch nicht bekommen, wenn ich aussähe wie eine fregatte. oder wenn ich ein mann wäre.

gutaussehende menschen haben es im leben einfacher – ist das legitim, wenn ich das weiss und es nutze?
ich entscheide mich für „ja“. denn solange die strukturen sind, wie sie sind, ist quotenfrau eben eine der wenigen optionen, den grauschläfigen herren zu zeigen, dass brüste und gehirn sich nicht gegenseitig ausschliessen.
und fühle mich bei diesem „ja“ trotzdem unwohl, weil ich überlege, ob ich damit nicht auch genau diese strukturen zementiere, die mich so ankotzen?
(und dann bin ich wieder bei sheryl sandberg: lean in, ladies. solange ich die einzige kluge frau weit und breit bin, die nicht aussieht wie sheldon cooper mit langen haaren, wird es so bleiben.)

*fazit: mehr frauen in führungspositionen, und schon hört das auf. ich biete mich da an – uneigennützig und nur im sinne der gleichberechtigung. sie wissen schon – damit hübsche junge männer auch chancen bekommen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Arbeitsbiene, Of Mice and Men. veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu gesicht geben.

  1. Regina schreibt:

    .. gut aussehende Menschen haben es im Leben leichter : JA, ganz bestimmt! Gut aussehende Männer haben es ebenfalls leichter (voranzukommen, aufzusteigen, anerkannt zu werden, beachtet zu werden, und..und..und..) als häßliche Männer. Deshalb ist es keine Frage des Geschlechts, sondern des Aussehens an sich.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s