einsiedlerkrebs

ich schalte mein modul „soziale interaktion“ mit betreten des büros an und beim verlassen wieder aus.
ich halte die meisten formen von menschlichem austausch mit mittelfremden leuten, kollegen und bekannten für deutlich überbewertet und lebe besser und glücklicher, seit ich das auf ein minimum reduziert habe und die gesparte zeit für dinge aufwende, die mich wirklich glücklich machen.
dazu gehören tatsächlich interaktionen mit ein paar wenigen leuten (ich nenne sie freunde), und im moment gedenke ich nicht, diesen kreis übermässig zu erweitern. ich habe nur eine begrenzte menge zeit zu vergeben, und schon dafür habe ich eigentlich zu viele menschen, die ich gern mag.

interessanterweise gibt es immer wieder menschen, die mir im rahmen eines ersten austausch bestätigen, dass sie das a) kennen, b) selber praktizieren.
aha, denke ich dann stets, das ist super, da wird man mir also nicht nachtragen, wenn ich diese „regel“ nun auch auf ebendiese person anwenden.

und stets irre ich mich.
denn man(n, immer sind es männer, denen ich heimlich-still-leise dann irgendwann doch auch andere motive zu unterstellen begann) scheint an einer art israel-syndrom zu leiden, dh. man hält sich für „auserwählt“.
nun will ich damit nicht sagen, dass eine interaktion mit mir göttliche anklänge hat, so gar nicht (das einzig religiöse, was man mit mir in verbindung bringen kann, ist das fegefeuer)!

die herren jedoch scheinen der festen überzeugung zu sein, dass sie kraft ihrer person (lies: dass sie so grossartig, hinreissend und faszinierend sind) automatisch zu den menschen gehören, mit denen ich meine zeit verbringen möchte, oder deren gesellschaft ich einem buch vorziehe.
und sind dann garstig angepisst, wenn sie merken, dass dem nicht so ist.

zumal die auswahl, nach denen ich diese menschen an mich ranlasse, eher zufälliger natur ist und oftmals auf dem zeitpunkt des kennenlernens basiert – wenn da gerade ein slot frei ist, schön, komm her; sonst: ich habe heute leider kein foto für dich.
ich erwarte nicht, dass jemand dann wartet, oder dass jemand einen slot bei sich für mich freihält. that’s life.

ja, eines tages werde ich aufwachen und das sicher furchtbar bereuen, aber im moment (und vermutlich noch die nächsten 60 jahre) stresst mich menschliche interaktion so dermassen, dass ich da gerne darauf verzichte. und erst recht auf das entsetzlich anstrengende kennenlernen und an-mich-ranlassen neuer menschen.
aber letztlich ist es wie mit allen formen von interaktionen zweier menschen, die mit emotionalen aspekten verhängt sind – wenn ein gefühl nicht reziprok ist, gibts stress. da kannst du das noch so oft ankündigen – sobald auch nur ein hauch emotion dabei ist (und wenn es nur die emotion „geilheit“ oder „freundschaftlich mögen“ ist), ist nicht-erwidern kritisch.

(womit wir bereits einen weiteren grund für meine abneigung gegen die neuakquise von menschen gefunden haben – wenn man nur menschen um sich hat, mit denen man die untiefen potentieller emotionen bereits ausgelotet hat, spart man sich so scheisse.)

(schöne abwandlung derselben story, in kurzform: „ich möchte im moment keinen sex. mit niemandem.“ „das kann ich verstehen. aber ich bin ja selbstverständlich anders als die männer vorher und unsere verbindung ist…“ „nein, mit dir auch nicht!“ „arrogante, hysterische zicke!“)
(hab noch einen. gibt’s auch im job. „ich möchte gerne arbeiten und nicht dauernd durch quatschende kollegen abgelenkt werden.“ „klar, verstehe ich voll gut. quatschen?“ „nein. geh weg, ich arbeite!“ „arrogante, soziopathische zicke!“)

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