beinhaus. (verdun, zwei)

„und was machst du so an ostern?“
„tote franzosen gucken!“
„…“

nun, lassen sie sich gesagt sein, den meisten menschen fehlt der entsprechende humor, um solche sprüche damit in verbindung zu bringen, dass man nach verdun fährt, um sich auf den schlachtfeldern einer der grössten und tödlichsten schlachten der menschheitsgeschichte mit den schrecknissen des ersten weltkrieges auseinander zu setzen.

20140419-213927.jpg

nach der lektüre einiger bücher, konsumation unzähliger artikel, podcasts und diverser ausstellungen bin ich jetzt in verdun, um 1914 noch ein bisschen besser zu begreifen.
der beste kollege der welt hat sich und sein unnütz heftig motorisiertes (aber GEIL!) auto bereitwillig zur verfügung gestellt, um mit mir drei tage durch frankreich zu jückeln. während der rest der christlichen welt also eine nicht minder üble todesart zelebriert (sie wissen schon, kreuzigung.) beschäftigen wir uns über ostern mit gaskrieg, massenschlachten und granaten.

erster stopp: das gebeinhaus von doaumont.

20140419-214333.jpg

20140419-214615.jpg

und der dortige soldatenfriedhof.

20140419-214636.jpg

20140419-214729.jpg

20140419-214750.jpg

das ganze ist extrem beeindruckend, auf die grausige art, die einem kalte schauer über den rücken laufen lässt.
im gebeinhaus wurden nicht nur die namen aller namentlich bekannten, dort gefallenen soldaten auf steine graviert und daraus der lange kreuzgang gemacht (s. erstes bild), sondern im untergeschoss lagern die knochen und gebeine all jener soldaten, die nicht zugeordnet werden konnten.

draussen, rundherum, ist das ehemalige schlachtfeld der hölle von verdun, die ab februar 1916 tobte. zigtausende tonnen granaten wurden pro quadratmeter dazu benutzt, alles leben auszulöschen, was versehentlich im weg war.
Es ist heute kein ödes, graubraunes matschfeld mehr, sondern der wald hat einen grossteil der zerstörten landschaft zurückerobert, aber man sieht bis heute die unfassbaren schäden, die von den waffen angerichtet wurden.

20140419-215359.jpg

20140419-215412.jpg

und während der kollege und ich so durch den wald stapfen, unterhalten wir uns über alles – die funktionsweise von granatgeschossen, was ist nationalismus und wie kann es überwunden werden, wieso gibt es so wenig frauen an der ETH zürich, und was fühlt und denkt ein mensch, wenn er in den schützengraben hinabsteigt und von da an nicht mehr weiss, ob er da jemals wieder lebend rauskommt.
ganz so, wie ich es mag.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Leben. Und so. veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s