Meet me in New York.

Es gibt ja nette Zufälle in dieser Welt, und einer war, dass eine Arbeitskollegin just dieses Wochenende auch in New York war.
Und weil ich zwar gerne mit meiner Abneigung gegen soziale Interaktion (dazu später mehr) hausieren gehe, aber gelegentlich doch Freude habe, wenn jemand seine Zeit mit mir verbringen will, haben wir Samstag und Sonntag zusammen verbracht.

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Ein Spaziergang über die Brooklyn Bridge und ein Abendessen in Soho, eine Bootstour auf dem Hudson River,

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und hinauf aufs Empire State Building,

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und zu guter Letzt noch ein kurzer Spaziergang im Central Park.

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Es hat sehr viel Spass gemacht und war sehr entspannt.

Aber dann ist passiert, was mir allzu oft in Interaktion mit Menschen passiert – ich habe mich falsch verhalten. Unhöflich, verletzend, nicht den Konventionen entsprechend…und das auch noch völlig unbeabsichtigt und ungewollt.
Nach dem Aufstieg aufs Empire State und einiger Zeit dort oben kam ich zu dem Schluss, dass ich nun müde bin und sechs Stunden zusammen unterwegs sein mir denn dann auch genügen.
Das erschien mir wie kein völlig abwegiger Wunsch, und dementsprechend formulierte ich es meiner Begleiterin gegenüber wie folgt: „Du, ich glaube, ich würde jetzt gern langsam mal Richtung Wohnung, ich bin müde und durchgefroren.“
ZACK! Alles falsch gemacht, wie mir dann schnell klar wurde. Meine Begleiterin war verletzt und vor den Kopf gestossen, ob meines Wunsches, den Rest des Abends allein zu verbringen.
Wenn ich nur wüsste, was ich falsch gemacht habe…noch immer scheint mir weder der Wunsch an sich noch die Formulierung übermässig daneben oder unhöflich… oder doch?
Ich wäre dann gerne nach Hause gegangen, um endlich meine Koffer auszupacken, mich aufzuwärmen, ein bisschen zu lesen und meine schmerzenden Beine und Füsse hochzulegen.
Stattdessen bin ich dann noch artig mit ihr die 5th Avenue hochgewandert und zum Central Park gelaufen.
Das war auch alles sehr nett und wir haben uns noch gut unterhalten, aber mir ging es da schon nicht mehr gut, weil ich schnell körperlich reagiere, wenn ich in einer Situation bin, aus der ich raus will. Meine Muskeln verkrampfen dann völlig, alles tut weh, ich habe das Gefühl, dass ich weglaufen will, und es doch nicht kann.
Nicht schön.
Aber ich lächle und nicke, weil anscheinend der Wunsch, Zeit mit jemandem zu verbringen, über dem Wunsch steht, keine Zeit mit jemandem zu verbringen.

Und wenn ich nur verstehen würde, was ich falsch gemacht habe, könnte ich daraus vielleicht lernen, aber es ist nicht das erste Mal, und nicht das erste Mal auf Reisen, dass genau das passiert. (Ausserdem hätte ich diese Nacht viel ruhiger geschlafen, weil ich mich wirklich schlecht deswegen gefühlt habe und mehrfach aufgewacht bin und darüber gegrübelt habe.)
Ich habe definitiv eine viel niedrigere Grenze als die meisten Menschen, wieviel Kontakt und Interaktion ich vertrage, und dementsprechend bin ich meist diejenige, die dann irgendwann nicht mehr mag… und jedesmal, wenn ich das äussere, ist mein Gegenüber verletzt.

Ich verstehe das echt nicht. Was genau habe ich denn falsch gemacht? Dass ich nicht mehr wollte, dass ich das gesagt habe, oder wie ich es gesagt habe?

Und damit komme ich wieder zu meinem alten Fazit zum Thema soziale Interaktion – lieber fange ich gar nicht erst damit an, wenn ich nicht einfach wieder aufhören kann, wenn/wann ich will.
Ich hasse alles, aus dem ich keine Rückzugsmöglichkeiten habe – seien es Räume, Orte, Hobbies, Veranstaltungen, Urlaube*, oder eben soziale Interaktionen.

*Ich kann erst entspannt in Urlaub fahren, seit ich mit der Einstellung reise, dass ich jederzeit zurück kann, wenn alles doof ist – und auch das geht übrigens nur allein, weil ein potentieller Begleiter dies selten ebenfalls so empfindet.

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