aus dem Kopf.

Manchmal gibt es so Dinge, die muss ich irgendwo loswerden, damit sie aus dem Kopf verschwinden und ich nicht versehentlich den nächsten Menschen, der mit mir redet, totquatsche, weil so viele Dinge raus müssen.

– Hach, ich bin noch ganz glückselig, wenn ich daran denke, dass mir mein türkischer Lieblingsschneider am Samstag spontan meine Jacke repariert hat, als er sah, dass die Tasche auf einer Seite ausgerissen ist. Ich laufe sicher seit so zwei Wintern damit rum, und ziehe die Jacke nur noch in der Freizeit an, obwohl sie eigentlich wirklich gut ist, weil ich zu faul war, das mal selber zu machen. Hurra!

– Ich lerne gerade Informatik. Basics. Weil, mir hilft es immer, Grundlagen von etwas zu verstehen, um komplexere Informationen zu einem Thema zu verarbeiten. Dafür lese ich jetzt Zeugs über Transistoren und Semiconductors, was so mässig aufregend ist, aber hey. Und JavaScript. Auch hier, primär Basics, aber kann ja nicht schaden, ein bisschen mehr programmieren zu können.

– „Data-driven“ – ich bin so begeistert von diesem Konzept, dass es fast peinlich ist. Jedes Unternehmen sollte data-driven werden, und es ist so gar nicht mein Stil, die Key Message meines Arbeitgeber so super zu finden. Weil es dann so schwer ist zu erklären, dass ich das nicht nur bin, weil das mein neuer Arbeitgeber ist, sondern weil ich *wirklich* daran glaube.

– Es nervt mich, wenn Leute, die noch nie mit mir zusammen gearbeitet haben, der Ansicht sind, dass ich nicht gut genug für diesen Job bin. Ja, ihr Lieben, ich kann coden, ich verstehe Statistik, und ich bin auch noch gut darin, mit „c-level executives“ (sagen wir, hohen Tieren) darüber zu reden und ihnen das Zeug zu vermitteln. Trotz langen Haaren, Schminke und einer Vorliebe für High Heels. Ich hätte nicht gedacht, dass wir darüber noch reden müssen (ausgerechnet diese Personen).
Vielleicht bin ich nicht der beste Coder der Welt, aber die anderen beiden Fähigkeiten führen halt dazu, dass ich den besten Codern der Welt sagen werde, was sie eigentlich coden sollen. Und was will ich mit Python und Hive, wenn ich Macht haben kann? Menschen kommandieren ist ein viel besseres Gefühl als Kommandozeilen für Computer zu schreiben. (Wenn Computer die Weltherrschaft an sich reissen, reden wir nochmal drüber, aber das dauert hoffentlich noch ein Weilchen.)

– Spotify. Ich bin ja so ein early adopter und habe vor ca. sechs Wochen Spotify entdeckt. Meine Musikgewohnheiten wurden schlagartig komplett verändert – verbessert. Ich bin nämlich ein Mensch, ich stehe der meisten Musik eher gleichgültig gegenüber, und habe am liebsten irgendwas im Hintergrund, worüber ich mir keine Gedanken machen muss. Und noch viel wichtiger ist eine gewisse Musikkulisse bei intensiver Denkarbeit – blöderweise hatte ich bis anhin keine gute Idee, was für Musik ich dafür nehmen soll, weil ich weder englische, noch deutsche, noch spanische, noch französische Musik mit Gesang hören kann, weil ich dann abgelenkt bin.
Jedenfalls ist Spotify total perfekt für Menschen wie mich – all die vorbereiteten Playlists, die man einfach runterdudeln lassen kann, und sogar thematisch sortiert, inklusive „Deep Focus“ und „Studying“ und so. Sensationell. Ich brauche nie wieder ein Radio mit Musik. (Und wenn ich jetzt noch „entdecke“ …Sie wissen schon, early adopter… dass ich Spotify auch auf meinem Telefon haben kann, brauch ich meinen MP3-Player wirklich nur noch für Podcasts. In ein paar Jahren entdecke ich wahrscheinlich dann auch, dass ich auch Podcasts auf dem Telefon haben kann, und…EARLY ADOPTER, KLAR?!)

– Die wilde Jagd nach einem Bikini. Ich habe mir, in Erwartung anstehender Hotelpools, einen anständigen Bikini gekauft. So einen, bei dem ich nicht nach jedem zweiten Zug Hose oder Oberteil festhalten muss. Dummerweise ist dieser Bikini irgendwo unterwegs verschollen. Ich habe eine DHL-Benachrichtigung, unter der es kein Paket gibt; eine Sendungsverfolgungsnummer, die an eine andere Person in Zürich ausgeliefert wurde; die Versandbestätigung vom Verkäufer an Amazon, dass das Paket nach Australien versendet worden sei…und eigentlich hätte ich stattdessen gern meinen Bikini. Stay tuned.
(Und ja, möglicherweise habe ich, während ich mit dem Amazon-Kundendienst wegen des Versandproblems telefoniert habe, einen neuen Bürostuhl bestellt. Via Amazon.)

– Sofa. Ich muss das doofe Sofa loswerden. Ich will jetzt mein perfektes Büro haben (und nie wieder Besuch bekommen können).

– Jetzt, wo ich weiss, dass ich noch ein bisschen länger in der Wohnung bleibe, hänge ich doch noch mal all die Schmetterlinge auf, die ich in den letzten Monaten gekauft habe.

– Drei Monate ist es jetzt her, dass ich in die Türkei geflogen bin, und wenn man es genau betrachtet, bin ich schon seit etwa einem Monat vorher wegen der Vorstellungsgespräche recht stark unter Strom gestanden. Was allerdings seit dem 30.09. passiert ist, wieviel ich unterwegs war, wieviel Geheimhaltung, Anspannung, Hin-und-Her, Hoffen und Warten, Freude…ich hatte durchaus damit gerechnet, dass es mich jetzt flachlegt, wo ich tatsächlich frei habe, mehr als zwei Wochen am Stück. Aber wenn man davon absieht, dass ich recht viel schlafe, gehts mir prächtig.

– A Casual Vacancy, ein überraschend spannendes Buch von J.K. Rowling. Genau, die Harry-Potter-Schnackse, aber komplett ohne Magier und Dementoren, dafür mit viel englischem Landleben und schönen Charakteren.
Das liegt seit über einem Jahr in meinem Regal, aber ich habe nie recht Lust dazu gehabt – da ich aber zuletzt eine flaue Phase mit Büchern hatte, habe ich mich an die Worte der Schenkerin erinnert, dass es wirklich super sei.

– Und wenn Sie finden, dass ich verdammt viel über den Erwerb und Besitz von Gegenständen schreibe und mich damit als oberflächlich disqualifiziere, ist das okay. Kann ich mit leben. Gegenstände sind so viel zuverlässiger als Menschen, und sie machen mich auch höchst selten wirklich traurig. Solange es Amazon gibt, werde ich den Erwerb von Gegenständen gegenüber Emotionen präferieren. Acht Jahre Single? Ah fuck it, man reiche mir meine Kreditkarte und Amazon!

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Eine Antwort zu aus dem Kopf.

  1. Studiosus Curiosus schreibt:

    Jepp, Blogs sind wahrhaft ‚was Feines! Und monetär betrachtet höchst effizient.
    Nehmen wir diesen Beitrag hier, „aus dem Kopf“.
    Um nicht gerade andere Menschen tot zu quatschen, was sicherlich keine volkswirtschaftlich erstrebenswerte Strategie ist, einen vor Ideen und Spukereien überquellenden Kopf zu „entdampfen“, kann man zu einem professionellen Zuhörer gehen. Diese auch Psychologen oder, wenn Mediziner, Psychiater genannten Menschen verlangen je nach Gusto gerne auch mal ein paar hundert Franken pro Stunde, wenn man privat vorbei schaut. (Kein Hausarzt schickt einen wegen zu vieler Ideen zum Kopf-Kollegen!)
    So gesehen spart dieser Blog-Beitrag also Geld. Und ist darüber hinaus durchaus unterhaltsam für den Leser. Besonders der zweite Teil über Halbleiter. Und Programmieren. Und Kodieren. Und die Conversation Skills eines IT-Consultants.
    Tipp am Rande von einem Informatiker (falls noch nicht bekannt, ansonsten betrachten Sie dieses Schreiben bitte als gegenstandslos.): UML. Also zumindest die Basics. Kann eine Fachunterhaltung höllisch vereinfachen.
    Das mit den Schmetterlingen brachte mich wieder zum Nachdenken. Hat das erneute Aufhängen all dieser Tierchen einen chaotischen Effekt auf das Weltklima? Kommt jetzt eine Eiszeit statt der versprochenen Klimaerwärmung? – Warten wir’s ab!
    Jaaaa … hätten wir jetzt genügend Daten über diese Phänomene – also über das Aufhängen von Schmetterlingen, meine ich damit! -, dann wäre vielleicht eine datengestützte Simulation auf einer mittelgroßen bis gigantischen Rechenanlage möglich. Oder Grid-Computing. Aber so ganz ist das Konzept des „data-driven“ wohl noch nicht in der Alchemie angekommen, die sich heutzutage Klimaforschung nennt. Vermute ich jetzt mal, wenn ich all die sich widersprechenden Gutachten zur Kenntnis nehme.
    Aber dies ist eine ganz andere Baustelle! 😉

    Viel Spaß jedenfalls im neuen Job! 🙂

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