Making Africa.

Kurzentschlossen habe ich mich heute morgen ins Auto gesetzt und bin nach Weil am Rhein gefahren. Mich verbindet auch Jahre später noch eine gewisse Geschichte mit diesem Ort, und trotz vieler Besuche habe ich nie das dort ansässige Vitra Design Museum besucht.

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Vitra, die machen so Stühle, weswegen in Weil mitunter verstörend viele monströs riesige Stühle in der Landschaft rumstehen. (Kein Witz.)
Das Vitra Design Museum ist ähnlich überraschend weltweit bekannt wie die Fondation Beyeler in Basel, und dass sich da diverse Stararchitekten in und um das Museum ausgetobt haben, hilft auch.

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(Das ist, wie Kenner wissen, übrigens nicht das Vitra Design Museum, sondern das Vitra Haus, direkt nebenan. Das Museumsgebäude kann man googeln, ich habe nämlich nur grässliche Fotos eines gleissenden Gebäudes im Gegenlicht.)
Und warum nicht den ersten sonnigen Tag seit meiner Rückkehr aus Johannesburg nutzen und wieder einmal „fachfremden“, dh arbeitsirrelevanten Input sammeln, zumal ich seit dem Urlaub in Südafrika* ein gesteigertes Interesse an afrikanischer Kunst und afrikanischem Design** habe. Denn noch immer kann man mir fast alles verkaufen, indem man „Africa!“ draufschreibt, so auch in diesem Fall:

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Vier Räume voller aktueller Werke (das ist das neutralste Wort, das mir einfällt) – Design, Fashion, Karikaturen, Möbel, Apps, Fotografie, Gemälde, Werbung, Videos, Skulptur, Musik in einer überraschend guten Zusammenwürfelung, die aufzeigen will, was den Kontinent bewegt. Dabei sei lobend hervorgehoben, dass die Anzahl Fotos hungriger Kinder auf eins begrenzt war, und auch das war eine Karikatur auf die Dritte-Welt-Hilfe-Bewegung.
Natürlich kann da kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden, nicht einmal auf einen objektiven Überblick, sondern es können nur Mosaiksteine eines Kontinents gezeigt werden, der – „Africa is a country!“ – das Vorstellungsvermögen vieler Mitteleuropäer sprengt.
Aber allein der Versuch, und das Ergebnis, sind sehr gut gelungen, weswegen ich hoffe, dass einige viele Menschen, die den Weg in die Ausstellung finden, aufhören, die drei grossen K Afrikas (Kriege, Krisen, Katastrophen) als Dauerzustand zu betrachten.

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Es werden regelmässige öffentliche Führungen vom Museum angeboten, die sich sicher lohnen, wenn man nicht gerade Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Südliches Afrika und Entwicklungszusammenarbeit studiert hat, und wenn man sich im Allgemeinen nicht so intensiv mit den ökonomischen, politischen und kulturellen Vorgängen auf dem Kontinent beschäftigt. Ich vergesse ja leicht, dass ich diesen Vorsprung immer noch habe. Weswegen ich bei den Generalisierungen der Führerin zu einigen Themen sehr schlucken musste, um nicht in Spontanvorträge über dieses oder jenes Thema auszubrechen. Für meinen Geschmack war allzu oft deutlich, dass die Dame (und das mag diese eine Führung dieser einen Person gewesen sein) primär den Ausstellungskatalog konsumiert hatte, ohne sich weitergehend mit den Themen auseinanderzusetzen.
Also jedenfalls hat sich der Besuch gelohnt. Und die Architektur der Museumsgebäude ist wirklich auch cool, und wenn sie mich jetzt (bis ca Mitte Oktober…2016) entschuldigen, ich habe vier Bücher über afrikanisches Design dort gekauft, die gelesen sein wollen!

*Stimmt eigentlich nicht, sondern schon viel früher, eher seit der Erleuchtung im Met.
**Die Grenzen zwischen Design und Kunst verschwimmen hier schnell. In vielerlei Hinsicht erscheint Design mir zuletzt (grob geschätzt seit den 1980er Jahren und der Leipziger Schule sowie den Briten rund um Damien Hirst) von grösserer Relevanz in der Beantwortung zentraler Fragen der Gesellschaft als die klassischen Disziplinen der Bildenden Künste.

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