Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit (Oktober 2015)

Erschlagt die Armen“ von Shumona Sinha. Beeindruckende, bedrückende Sprache. Ich habe nicht alles verstanden, einige Metaphern liefen ins Leere, einige sind zu abgehoben, zu krass, zu schmerzhaft, zu wahr. Eine Frau, die in einem Pariser Migrationsamt dolmetscht, wird verhaftet, weil sie einen (anderen) Migranten angegriffen hat. Sie wühlt sich durch den Schlamm ihrer Gedanken, scheut sich nicht vor der eigenen Erbärmlichkeit, bis sie sich dieses Ereignis erklären kann. Oder halt auch nicht. Nur das Ende hat mir nicht gefallen, sonst aber allein für die Sprache lesenswert.

„The Etics of Immigration“ von Joseph H. Carens. So vielversprechend die Beschreibung, so ernüchternd die Realität. Habe keine 20 Minuten mit diesem Buch ausgehalten. Zu trocken, zu wahllos, zu banal, weil: Totschlagsargumente allüberall, oder eigentlich wiederholt er nur die eigene Position wieder und wieder und wieder.
Wenn theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema (Im)Migration, dann bitte Paul Collier, „Exodus„. Der gibt sich wenigstens Mühe, sauber zu verargumentieren, was er da an Theoriegebilde baut. Und dabei läge mir Carens‘ Position doch so viel näher als die von Collier.

„Joyriding in Riyadh“ von Pascal Menoret. Anthropologische bzw soziologische Studie über illegale Autorennen in Riad. Ein Blick unter die weissen Gewänder der saudischen Männer, und welche Rolle Verkehrsinfrastruktur in der Unterdrückung der Gesellschaft dort spielt. Gutes Buch, gutes Konzept. Methodisch betrachtet schwächelt Pascal Menoret meines Erachtens jedoch an einigen Stellen, weil es ihm zu keiner Zeit gelungen ist, wirklich Teil der saudischen Gesellschaft zu werden und somit vieles nur vom Hörensagen berichtet. Aber: Ich betrachte Strassen jetzt anders als vorher (und das als Kind von Autobahn und verkehrsberuhigten Zonen). Ich kannte die Rolle der breiten Strassen in südafrikanischen Townships (da sollte ein Panzer durch kommen können), aber welche politische und gesellschaftliche Macht durch den Bau von Strassen ausgeübt wird, war mir so nicht bewusst.
Und ganz generell ist es sehr interessant, einen kleinen Einblick in Saudi-Arabien zu bekommen, weil man von dort ja nur sehr wenig hört, von gelegentlichen Horrorstories über Gefängnisse und Peitschenhiebe und vollstreckte Todesstrafen ja mal abgesehen. Dass aber zum Beispiel die königliche Familie als nicht religiös betrachtet wird, oder dass es haufenweise Drogen und Alkohol gibt, wusste ich nicht.

Floating on a Malayan Breeze„, von Sudhir Thomas Vadaketh. Zwei junge Männer aus Singapore auf Fahrrädern durch Malaysia. Fiel mir in die Leseliste auf dem Flug nach Kuala Lumpur, und weil ich ein oller Streber bin, habe ich es schnell gelesen, während wir dort waren. Viel Politik, viel Sozialgeschichte, gut geschrieben, erhellend bezüglich der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Singapore und Malaysia – quasi „A Tale of Two Cities“, Asian Edition.

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