Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, 01.2016.

Chris Hadfield – An Astronaut’s Guide to Life on Earth. Chris Hadfield war der erste Kanadier im Weltall, und Kommandant der ISS in 2012/2013. Mir war der Name halbwegs geläufig, weil er gelegentlich auf Twitter aufgepoppt war, aber da ich kein grosser Weltraum-Fan bin, war sowohl Hadfield als auch das Thema bisher nie von Interesse für mich. Das Buch allerdings lohnt sich – ich habe vermutlich in keinem Buch bisher so viel Sachen angestrichen und mir Notizen gemacht wie in diesem. Hadfield blickt auf seine Karriere zurück und zieht Lehren daraus, und die sind GUT. Gross geschrieben GUT, wirklich. So im Sinne von „Das mache ich von jetzt an zu meinen Lebensleitlinien.“

McCarthy, Tom – Satin Island. Zuerst hielt ich es für ein grossartiges Buch. Der Anfang war vielversprechend – ein Anthropologe arbeitet in einer unbenannten Beratungsfirma, die ein weltumspannendes, unfassbar wichtiges Projekt treibt. Seine Aufgabe ist es, THE REPORT zu schreiben, eine Art Unified Theory of Everything, mit dem er auf einen Schlag nicht nur sein eigenes Feld revolutioniert, sondern gleich auch noch die Welt verändert, indem er sie beschreibt und ihr die Namen gibt, die wir uns alle nicht auszusprechen getrauen. Also, guter Anfang, gutes Setup, leicht distanziert-gelangweilte Sprache, die dem Klang meiner eigenen Gedanken ähnelt, und die immer mal wieder in anthropologische Theorien abdriftet. Nur macht McCarthy dann nichts daraus. Er lässt die Geschichte driften, mäandert ein wenig hin und her, und während der Held der Geschichte sich in einem Dossier über abgestürzte Fallschirmspringer ergeht, metaphert sich dieses Bild des Fallschirmspringers so durch – die Geschichte gleitet geräuschlos weiter, fast reibungslos, das sprachliche Äquivalent des Gefühlts, über Satin zu streichen. Die Distanziertheit bleibt, es gibt keinen Bruch des Charakters, an dem das alles Fahrt aufnehmen würde. Ich habe es zwar zu Ende gelesen, aber es geht mit Sicherheit in die Liste der „ach ja, stimmt, naja“-Bücher ein, Shortlist of the Man Booker Prize hin oder her.

Helon Habila, The Granta Book of the African Short Story. Moderne Kurzgeschichten aus verschiedenen Ländern Afrikas. Ich wollte es wirklich mögen, nur sind mir zuviele der Geschichten vorhersehbar düster, in ihrer africanness, in ihrem Leid und ihrem Leiden, in den Prostituierten und dem Dreck und dem Tod und dem Verlassenwerden.

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Tom Michell, The Penguin Lessons. – Die Geschichte, wie ein junger, britischer Abenteurer in den 70er Jahren in Argentinien an einem englischen Internat unterrichtet und eher versehentlich einen Pinguin aus Paraguay rettet. Der Pinguin begleitet ihn zurück nach Buenos Aires und wird zum Star des Schuljahrs. Das Buch über seine Exzellenz Juan Salvador de Pingüino ist ein herzzereissende, wunderschöne, sanfte Geschichte, kein ganzes Erwachsenenbuch, kein ganzes Kinderbuch.

 

Caroline Webb, How to have a good day: Think Bigger, Feel Better And Transform Your Working Life. – Ich habe das Buch über einen Podcast der London School of Economics und Political Science entdeckt, und weil ich stets auf der Suche nach Methoden bin, mein Leben zu verbessern, noch ein bisschen schneller zu werden, noch ein bisschen mehr zu lernen, fand ich ihre Tipps überraschend gut. Caroline Webb (ex-Meckie, was ihr in meinen Augen ein bisschen einen besonderen Glanz verleiht) macht sich zur Aufgabe, die inzwischen fast zum Standardrepartoire einer Unterhaltung gehörenden neurowissenschaftlichen Erkenntnisse aus den behavioral economics in brauchbare Tipps zu verwandeln. Das heisst, aus „das menschliche Gehirn neigt dazu, x und y zu tun“ wird „sortieren Sie Ihre ToDoListe soundso“. Vielleicht poste ich mal alles dazu, was ich daraus gelernt und angewendet habe.

Alberto Manguel: Tagebuch eines Lesers – Während Manguel pro Monat ein Buch liest und dieses und sein Leben kommentiert, richtet er auch seine Bibliothek ein, wenn er nicht gerade verreist. Ich fühlte mich Manguel in gewisser Hinsicht verbunden, weil sein Hunger auf Bücher von der gleichen umfassenden Kraft zu sein scheint wie mein eigener. Am liebsten mochte ich die kurzen Notizen zur Einrichtung seiner Bibliothek. Denn auch wenn es in London unmöglich sein wird, so gibt es in meiner idealen Wohnung natürlich eine Bibliothek. Eine mit dunklen, hohen Regalen, an denen oben entlang eine Schiene läuft, an der eine Leiter befestigt ist, damit ich auch die oberen Regalreihen erreichen kann. Ob Manguel eine Leiter in seiner Bibliothek hat, weiss ich nicht.

Torsten Sträter: Als ich in meinem Alter war – Joa. Och. Ein paar nett-lustige Geschichten über das Aufwachsen und Leben im Ruhrgebiet, ohne Nachhall, ohne bleibenden Effekt.

Leo Babauta:  Essential Zen Habits: Mastering the Art of Change, Briefly – Die Kurzversion von Babautas „Essential Zen Habits“, die wichtigsten Anweisungen auf einen Schlag, um positive Gewohnheiten zu entwickeln und negativen Angewohnheiten zu entfliehen. Das ein oder andere hat seine Berechtigung und wird sicher mal brauchbar sein.

Dressel, Moritz: The Aspiring Advisor – Lektüre für den Start der Karriere in einer Beratungsfirma. Da es in meinen Jobinterviews immer klarer wurde, dass ich im Beratersein deutliche Lücken habe, lese ich jetzt halt sowas. Und es ist nicht ganz scheisse, sagen wir es mal so. Es hat viele gute Tipps, wenn man der Grundprämisse folgt, dass Consultingfirmen eine Lebensberechtigung haben, und wenn man es als okay erachtet, wie sie funktionieren und welche Methoden sie verwenden.
Wenn Sie Berater für Schmeissfliegen, Hyänen und Heuschrecken in einem halten, sollten Sie einen weiten Bogen um dieses Buch machen.

Rainer Metzger – Die Stadt: Vom antiken Athen bis zu den Megacitys. Ich weiss nicht genau, wieso das ausgerechnet bei dem Thema Urbanisierung und Stadt(planung) anscheinend öfter vorkommt, aber auch „Die Stadt“ von Metzger ist (excuse my french) scheisse. Ist ja schön, etwas über Sokrates im antiken Athen zu erfahren, oder über andere halbwegs wichtige Charaktere der Weltgeschichte, nur leider hat das nichts mit dem Thema Urbanisierung zu tun. Mich interessieren Konzepte, Theorien, Ideen, nicht Episoden und Anekdoten, deren primärer Zusammenhang zum Thema darin zu bestehen scheint, dass sie in einer Stadt passiert sind. Nach ca 30 Minuten weggelegt.

 

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