the right side of the road

Nachdem ich in den ersten drei Wochen in England etwa 114mal fast überfahren worden bin, weil man sich einerseits sehr schnell an das gewöhnt, was der Engländer jaywalking nennt (in völliger Ignoranz von Ampeln, Überwegen, anwesenden Polizisten und Verkehrsregeln die Strasse überqueren, wenn es die Verkehrssituation erlaubt), andererseits aber nur schwer daran, dass ich zuerst nach rechts schauen sollte, ob Autos kommen, weil die ja hier falschrum fahren*, habe ich letztes Wochenende in Zürich den gleichen Spass nur andersrum auch etwa 2mal gehabt.
Denn in dem Moment, in dem mein 31-Jahre-minus-11-Monate-auf-Rechtsverkehr-getrimmtes Gehirn registriert, dass von links nix kommt und ich schon den ersten Schritt auf die Strasse machen kann, beschliesst der durchschnittliche Londoner Autofahrer zu beschleunigen.
Das mit dem Umgewöhnen ging dann also doch überraschend flott**, weil survival of the fittest und so, nech?

Aber zum Glück kam mir Zürich am Wochenende eh wie der langsamste Ort der Welt vor – was der durchschnittliche Schweizer als strammen Fussmarsch empfindet, ist in London Minimalgeschwindigkeit, damit man nicht den kompletten Verkehr aufhält.
Und Autofahrer in der Schweiz sind nun einmal daran gewöhnt, sicherheitshalber lieber zu langsam als zu schnell zu fahren, angesichts drakonischer (und einkommensabhängiger) Strafen – nachdem ich also auf der Hardbrücke zuerst in die falsche Richtung geschaut habe, habe ich noch hinreichend Zeit, in die andere Richtung zu schauen (und eine vierfache Pirouette zu drehen, ein Kaffeekränzchen zu veranstalten und einen Roman zu schreiben), bevor das herannahende Auto hinter mir quert.

*Es gab da mal eine ausdauernde Diskussion mit meinem südafrikanischen Kommilitonen Erik, dass es ja schon „the right side of the road“ heisse, und damit sei völlig klar, dass die andere, linke Seite ganz offensichtlich „the wrong side“ sei.

**Die Geschichte, warum ich gelegentlich immer noch beim Autofahren aktiv aufpassen muss, nicht intuitiv auf Linksverkehr gewechselt zu sein, erzähle ich ein anderes Mal.

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