Sprachenchaos.

Ich spreche fliessend Englisch, schon seit ich mit 17 aus Missouri zurück gekommen bin. Mein amerikanischer Midwest-Akzent ist inzwischen kaum noch hörbar, dafür haben sich nach der Zeit in Kapstadt einige Eigenheiten des dortigen Englischs eingeschlichen. Die Tatsache, dass ich seit über einem Jahr sehr viel mit Briten kommuniziere, ist irgendwie auch hängen geblieben. Taxifahrer hier spielen gerne mit mir «Where are you from, love? I can’t really place your accent…», und natürlich macht mich das ein bisschen stolz – «ssääänk ju for trävellink wiss Deutsche Bahn» ist ja nun nichts, woran man gerne erinnert wird.

Dank all dem habe ich tatsächlich angenommen, dass ich sprachtechnisch hier in England keinerlei Schwierigkeiten haben würde – ich habe ja oft genug in englischsprachigen Ländern gelebt, ich weiss ja, wie das geht.

Überraschenderweise: Nö.

Ungefähr so, wie mich das «Muttersprache: Deutsch» nicht auf Schweizerdeutsch vorbereitet hatte, merke ich nun, dass ich mit Studentsein in Kapstadt nur ein bisschen auf Erwachsensein in London vorbereitet war. Oder wissen Sie auf Anhieb, wie man «Die Düsen des Geschirrspülers sind wahrscheinlich verstopft» auf Englisch sagt?*

Nebenbei lese ich passenderweise gerade noch ein Buch über Multilingualismus, «Babel No More – The Search for the World’s Most Extraordinary Language Learners», das mir tatsächlich einige spannende Perspektiven auf Mehrsprachigkeit, Sprachenlernen und Linguistik eröffnet. Mein stetes Ringen um reines Deutsch, also ohne die Benutzung von Phrasen und Worten wie «actually», «slightly» oder «traces of» etc. mitten in deutschen Sätzen, habe ich bisher vor allem für einen Mangel gehalten, für ein Versagen meines Sprachgefühls. Jetzt weiss ich es besser – das ist sog. Codeswitching und linguistisch betrachtet positiv.

Jedenfalls lerne ich von beidem, dem Buch und der England-Erfahrung, gerade Demut. Die Vorstellung, dass ich jetzt auch in Istanbul leben könnte und herausfinden müsste, was «Ich brauche noch einen Gepäckträger für das Fahrrad» oder «Können wir das hässliche Schuhregal einfach wegschmeissen, und wenn ja, wo» auf Türkisch heisst, ist tatsächlich ein bisschen intimidating.

Andererseits weckt es umso mehr meine Lust, wieder Türkisch, Spanisch und Französisch auszugraben und mein tägliches «7 Minuten holländisch lernen» darum zu erweitern, und eigentlich habe ich ja auch noch Bücher für Malay, Hebräisch, Xhosa und Kiswahili rumstehen, und überhaupt, next stop is Kuala Lumpur**!

 

*The nozzles of the dishwasher are probably clogged, btw.
**Oder nicht, wir diskutieren noch, was wir als nächsten Stop anpeilen. Sydney ist aktuell recht weit oben, Singapur/KL aber auch. Aber ich kann ja Orte wie Bujumbura oder Freetown gar nicht aufbringen, ohne mit mittelschweren Gegenständen beworfen zu werden. Ausserdem sind es eh noch ca 2-3 Jahre, bis wir über den nächsten Wechsel nachdenken.***
***Wahrscheinlich. Hängt halt auch von der politischen Entwicklung á la Brexit, Grexit, Öxit und ähnlichem ab.

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