Rosinante, oder wie ich lernte, das Fahrrad zu lieben.

„So you’re one of Boris‘ Bike Babes now?“
So hat mich ein Freund aus London vor einer Weile begrüsst, als er mich zum ersten Mal mit einem Fahrradhelm am Rucksack sah.
Dazu muss man wissen, dass Boris Johnson, der ehemalige Bürgermeister von London, nunmehr vielen primär als Verräter in Erinnerung, ziemlich sichtbar das Fahrradfahren propagierte. Politisch nahm das vor allem die Form von sogenannten Cycle Super Highways an, und einigen weiteren, weithin publizierten Initiativen zur Verbesserung der Fahrradinfrastruktur in London an.

Alles ja sehr lobenswert, auch aus Perspektive eines Menschen wie mir, die Fahrradfahren hasst. Ich finde Fahrradfahren anstrengend und langweilig, und ich habe mich in den letzten Jahren nur zum Besitz von schrammeligen Gebrauchträdern hinreissen lassen, um schneller zum Bahnhof zu kommen.

Ungefähr in dem Rahmen hatte ich geplant, dass sich mein Radfahrbetrieb auch in London bewegen würde. Statt 18 Minuten zur nächstgelegenen Tube-Station zu latschen, 8 Minuten radeln.

Dann habe ich aber versehentlich ein wirklich gutes Fahrrad gekauft.

Meet: Rosinante. (Es heisst nicht wirklich so. Aber wenn es einen Namen hätte, würde es Rosinante heissen.)

2016-07-10 18.25.56

Rosinante war das einzige Fahrrad in meiner Grösse (ich verbitte mir die Annahme, dass ich winzig bin, aber eventuell bin ich winzig) zu einem vertretbaren Preis, zu einem Zeitpunkt, als ich von sehr vielen Dingen so angekotzt war, dass ich einfach nur *irgendein* Fahrrad wollte, um immerhin ein bisschen weniger Zeit in der Logistik zu verschwenden. Dass es auch noch in meiner Lieblingsfarbe ist, ist mir erst hinterher aufgefallen.

Und dann habe ich zu meinem eigenen Erstaunen festgestellt, dass Fahrradfahren mit *diesem* Fahrrad wirklich Spass macht.
Das konnte doch keiner ahnen! Jetzt radele ich voller Begeisterung quasi überallhin und finde das die beste Transportart in London überhaupt! Noch viel besser als Uber und Cabs und Zufussgehen!*
Einziger Wermutstropfen ist die Tatsache, dass man in London einen Helm tragen muss – weil es trotz Boris‘ Fahrradinfrastrukturmassnahmen immer noch arschgefährlich ist, in dieser Stadt Fahrrad zu fahren. Wobei ich noch nicht sicher bin, ob die grössere Gefahr von Autofahrern oder anderen Fahrradfahrern ausgeht… Also habe sogar ich nach drei Tagen einen Fahrradhelm gekauft und trage den jetzt sogar, wenn ich zum Supermarkt die Strasse runter fahre.**

Also: „Yes, I’m one of Boris‘ Bike Babes now.“

Das alles nur, weil ich, ohne es zu wollen, ein gutes Fahrrad gekauft habe.

*Dass Tube nicht auf dieser Liste erscheint, liegt schlicht und ergreifend daran, dass Tubefahren immer scheisse ist. Ich hasse Tubefahren. Es ist laut, heiss, stickig, voller Menschen, und der nächste Anschlag in London wird garantiert wieder in der Tube stattfinden. Und Busfahren. Busfahren ist auch scheisse.

**Aber, wichtige Regel: Man darf einen Fahrradhelm nur aufhaben, wenn man sein Fahrrad direkt berührt. Sonst gibt man sich der Lächerlichkeit preis und verwandelt sich automatisch in einen deutschen Touristen mit Funktionskleidung, Trekkingsandalen und Fahrradhelm.
Kürzlich habe ich für einen kurzen Augenblick versehentlich meinen Fahrradhelm im Büro aufgesetzt. Aber zum Glück nur so kurz, dass es niemand gesehen hat. Es wäre nämlich echt schade gewesen, wenn ich dann alle Anwesenden hätte töten und das Gebäude abbrennen und das Land verlassen müssen.

 

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