spinster.

Zwei Jahre und zwei Monate, davon 17  zusammenlebend.

Ich lese gerade ein Buch namens Spinster, über allein lebende Frauen (ein bisschen komplizierter, aber das ist die Kurzform). Ich hatte es mir auf dem Weg zum Flieger nach Amman runtergeladen, und dann aber einen Monat im Kindle versauern lassen – weil mich die Russische Revolution mehr lockte, unter anderem, aber auch, weil ich fürchtete, dass mich eine Verherrlichung des Singledaseins an etwas erinnern könnte, was ich einst so geschätzt habe.

Aber – zu meiner eigenen Beruhigung, aber auch meinem eigenen Erstaunen – dem ist nicht so. Und zwar nicht nur, weil ich gerade allein bin, weil P zur Abwechslung durch irischen Schlamm kriecht und es somit nicht akut ist, dass ich das Alleinsein vermissen könnte, sondern weil das Zusammenleben eine ebenso grossartige Welt ist. Natürlich hilft es, dass wir uns oft genug nicht sehen, weil einer von uns beiden auf Reisen ist, aber die gemeinsame Zeit ist schön.

Es ist nicht, dass es besser ist als Alleinleben, sondern dass es genauso erfüllend ist.

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London has fallen?

Der Artikel in der NY Times macht mich ein bisschen traurig, weil ich all das an London grossartig finde, warum die Brexiteers London und uns Immigranten hassen.

Für einen kurzen Moment überlege ich, ob es sich lohnt, dafür zu kämpfen, was London ist, aber dann ist es doch nur ein Punkt mehr auf der Liste „Singapore in zwei Jahren“. Oder woanders hin. Jedenfalls weg hier. Weg von Orten, an denen Bildung, Internationalität und Toleranz verabscheut werden.

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Wir fliegen in drei Monaten nach Buenos Aires, und aufgrund leichter Sorge, dass wir verloren gehen und uns nicht verständigen können, habe ich gestern angefangen, meine Spanischkenntnisse aufzufrischen.

Und zu meinem eigenen grossen Erstaunen ist das gar nicht so eingerostet!

Heutzutage nutzt man ja Apps zum Sprachenlernen – also Duolingo aufs Telefon laden, damit ich für die nächsten 90 Tage Vokabeln und sinnlose Sätze pauken kann. Duolingo erlaubt einem dann auch, einen Test zu machen, um Vorwissen einzubeziehen: 53% fluent! Das ist zwar sicher übertrieben, aber gab meinem Ego den ausreichenden Streichler, um gleich noch Türkisch und Niederländisch zu testen…mit deutlich beschämenderem Ergebnis.

Aber es hat mich ausreichend motiviert, auch die T- und NL-Bücher wieder rauszuholen, und gerade lese ich alberne Einkaufsdialoge auf niederländisch.

Seltsames Gefühl, wie einfach das ist. Sprachenlernen ist so unglaublich, herrlich, befreiend einfach…es fühlt sich so leicht an, insbesondere verglichen mit meiner Arbeit – da lerne ich auch ständig, aber es fühlt sich nicht so fluffig-angenehm an, und es ist nicht so freiwillig. Wobei das natürlich Quatsch ist, ich könnte ja auch einen Job mit weniger Lernen machen, oder sogar meinen Job so gestalten, dass ich nicht immer in neues, eiskaltes Wasser springen und neu schwimmen lernen muss. Oder etwas machen, was mehr meinen bestehenden Talenten entspricht, anstatt etwas lernen zu müssen, was mir grundsätzlich erst einmal fremd ist (Mathematik).

Dann würde Lernen vielleicht wieder seinen fluffig-netten Charakter bekommen…aber hey, ich kann ja auch wieder Vokabelnlernen zur Entspannung einführen.

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inspiration*

*für ein leben, in dem ich zeit habe, um coole dinge zu tun.

Hier liest jemand jeden Tag ein wissenschaftliches Paper aus dem Bereich Computer Science, und fasst es für seinen Blog zusammen.

Das ist ein grossartiges Vorhaben, und wenn ich die Begrenzung auf „Computer Science“ weglasse, eine echt supercoole Idee.

Aber naja. Zeit. 

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frieze art fair

Zu einer meiner liebsten Erinnerungen aus der Anfangszeit in der Schweiz gehört der Besuch auf der Art Basel mit einem Freund aus dem Studium. Eigentlich waren wir dann auch gar nicht auf der Art damals, sondern auf einer kleinen Nebenveranstaltung, deren Namen ich inzwischen vergessen habe, bei der nur junge Galerien und junge Künstler ausstellten.

Damals hätte ich beinahe ein Schmetterlingsbild von Damien Hirst gekauft, das heute wahrscheinlich 20% mehr wert wäre.

Jedenfalls habe ich per Zufall mit bekommen, dass dieses Wochenende das Londoner Äquivalent (quasi) stattfindet, frieze art fair im Regents Park. Und weil ich es ja immer noch hinreissend finde, dass ich in einer Weltmetropole mit einer lebendigen Kunstszene und drölfzigtausend Museen lebe, habe ich mich also heute auf die andere Themseseite aufgemacht (naja, manchmal muss man halt Opfer bringen), um die Kunstmesse zu besuchen.

Und Kunstmessen sind halt irgendwie so, wie man sie sich vorstellt – viele in schwarz gekleidete Galeristen

viele Hipster mit zu engen Hosen und zu nackten Füssen in Loafers, viele versnobt dreinschauende dünne Blondinen an den Armen dicklicher, gelangweilt dreinschauender Glatzköpfiger, mittelalte Damen mit zweifelhafte Kleidungswahl

 junge Typen mit noch zweifelhafterer Kleidungswahl.

Alles Künstler, ganz bestimmt.

Überraschend wenig Asiaten, überraschen viele Deutsche.Weisse Wände. Viele viele weisse Wände.

Und natürlich Kunst. Aber zu meinem eigenen Erstaunen war ich nach anderthalb Stunden durch und habe nichts gefunden, das ich hätte kaufen wollen.


Zum Ausgleich habe ich dann den Rest des Tages ein Buch gelesen, wie man sich mit zeitgenössischer Kunst auseinandersetzen kann. 

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B Season

London im Herbst. Das heisst eine grosse Anzahl an Burberry Trenchcoats und Balbour Jacken, weil das die Uniform des Londoners im Herbst zu sein scheint. Bisher ist Herbst jedenfalls noch nett – sonnig und kalt, aber nicht Schweiz-kalt, sondern frisch.

Ich bevorzuge zwar immer noch die Sonne der Algarve, aber bisher ist der englische Herbst noch regen- und nebelfrei…

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unüberbrückbare Differenzen

Nein, nicht der Freund und ich. Auch nicht Angelina und Brad.

Sondern die deutsche Gesellschaft und ihr extremer (rechter) Rand.

die kulturelle Entfremdung eines Teils der Bevölkerung, der sich zunehmend aggressiv gesellschaftlichen Realitäten und Veränderungen verschließt, sich sozusagen selbst desintegriert und autoritären antipluralistischen Konzepten zuwendet; die wachsende Polarisierung der Gesellschaft, in der die beiden Teile einander nichts mehr zu sagen haben.

Das aus einem Kommentar von Ralf Melzer bei Spiegel Online, das klug formuliert, was mir Angst macht: dass es zu unüberbrückbaren Differenzen kommt, dass es wirklich keinen Weg gibt, den Teil der Bevölkerung (der deutschen, aber auch all der anderen westlichen) wieder an Bord zu holen.

Das Erstarken des Rechtspopulismus und die voranschreitende Entrationalisierung politischer Meinungsbildung bedingen einander. Ignoranz und Inkompetenz werden zu Erfolgsmerkmalen

Leider gibt auch Melzer keine Antwort darauf, was wir tun können (tun müssen!), um dagegen anzukommen. Zuhören und ernstnehmen? Oder sind diese Leute schon beyond all means?

Viele in der rechtspopulistischen „Wir-sind-das-Volk“-Anhängerschaft sind für Argumente und demokratische Prozesse nicht mehr erreichbar. Unzufriedenheit und das Gefühl kollektiver Bedrohung sind in Hass umgeschlagen. Dazu trägt bei, dass kaum noch große gemeinsame Plattformen für öffentliche Debatten und politische Meinungsbildung existieren. 

Aber genau das ist der Punkt – wir dürfen diese Trennung nicht zulassen. Oder bin ich nur das weinende Kind, das Mami und Papi nicht auseinander gehen sehen will? 

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